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Mokoro, Helikopter und Co. – zu Wasser, zu Lande und in der Luft durch Botswana

Der letzte Teil meiner Reise mit African Bush Camps steht an und wir reisen von Sambia nach Botswana. Auch dieser Grenzübertritt geht erfreulich schnell und unkompliziert. Von der Thorntree River Lodge in Livingstone werden wir in rund einer Stunde im Minibus zum Grenzposten Kazungula gefahren. Hier überqueren wir mit dem Boot den Sambesi, erledigen die Ein- bzw. Ausreiseformalitäten und sind anschließend schnell am Flughafen Kasane angekommen. Von hier aus bringt uns ein kleiner Flieger von Mack Air schnell in die Linyanti-Region (offiziell: Linyanti Wildlife Reserve), wo wir die nächsten zwei Tage verbringen werden.

Linyanti Wildlife Reserve

Linyanti ist Heimat vieler Elefanten

Das Linyanti Wildlife Reserve besteht aus 1.250 km² unberührtem Wildtiergebiet. Der Linyanti-Fluss bildet seine nördliche Grenze, im Osten schließt sich der Chobe National Park an. Auf der anderen Seite des Linyantis liegt der sogenannte „Caprivi-Streifen“ Namibias. Die Linyanti-Region ist eines der am seltensten besuchten und unberührtesten Gebiete Botswanas, sodass sich den Gästen der wenigen Camps ganz private und exklusive Wildtierbeobachtungen bieten. In der Trockenzeit (Juni bis Oktober) ist das Linyanti Reserve das Verbreitungsgebiet von vielen Wildtieren des Chobe, und migrierende Tierarten wie Zebras und Elefanten sind hier in großer Dichte zu sehen. Wer also dem mittlerweile recht gut besuchten Gebiet des Chobe National Park entgehen möchte, ist in der Linyanti-Region genau richtig.

Hat hier jemand „Helikopter“ gesagt?

Unser Zuhause für die nächsten Tage ist das Linyanti Bush Camp bzw. das Linyanti Ebony Camp. Die Camps liegen nebeneinander und man kann bequem von einem Camp ins andere laufen. Das Linyanti Ebony Camp ist für Familien gedacht und verfügt u .a. über ein entsprechendes Familienzelt. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen und mal wieder ein köstliches Mittagessen genossen haben, wartet eine riesige Überraschung auf uns. Bei einem Aufenthalt von drei oder mehr Nächten ist in der Zeit von April bis November ein rund 30-minütiger Helikopterflug im Übernachtungspreis inkludiert (Stand: Januar 2019). Obwohl wir nur zwei Nächte hier sind, dürfen auch wir mit dem Helikopter fliegen – die Jubelschreie haben wahrscheinliche sämtliche Tiere in der näheren Umgebung verschreckt … Aufgeteilt in drei Gruppen, warten wir ungeduldig auf den Start. Meine Zimmernachbarin Marlene und ich dürfen den Anfang machen. Per „Schnick-Schnack-Schnuck“ entscheiden wir, wer vorne neben dem Piloten sitzen darf und wer mit der Rückbank vorliebnimmt. Einen tollen Blick hat man von beiden Plätzen, denn der Helikopter hat keine Türen – es heißt also Kameras und Handys festhalten, so gut es nur geht, denn es wird ganz schön windig.

Nach einer kurzen Sicherheitsunterweisung setzen wir die Kopfhörer auf und es geht ab in die Luft. Neben Büffeln, Zebras und Nilpferden sehen wir viele Elefanten (siehe Beitragsbild), die sich in den Linyanti-Sümpfen beim Baden erfrischen und bei den heißen Temperaturen das kühle Nass sichtlich genießen. Ein wirklich unvergleichliches Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde und das man in Worten gar nicht wirklich beschreiben kann! Die halbe Stunde vergeht buchstäblich wie im Flug, zurück am Landeplatz wird dann schnell die Fotoausbeute gesichtet und überlegt, welches Bild die Lieben zu Hause wohl am meisten beeindrucken würde …

Unterwegs im Mokoro

Selbstverständlich stehen auch Pirschfahrten auf dem Programm; so fährt unser Guide Dutch mit uns nicht nur durch das Linyanti-Gebiet, sondern unternimmt auch einen kurzen Abstecher in den Chobe National Park. Worauf ich mich aber besonders freue, ist die Fahrt im Mokoro. Auch wenn ich schon einige Reisen nach Afrika machen durfte, in den Genuss solch einer Fahrt bin ich noch nicht gekommen, da bei meiner letzten Botswanareise der Wasserstand zu niedrig war. Ein Mokoro ist ein Einbaum, noch heute gelten sie am Okavango als bevorzugtes Transportmittel. Meist haben im Mokoro zwei Personen Platz, zusätzlich steht am Ende des Boots ein „Poler“, der den Einbaum steuert. Fast lautlos gleiten wir durch die Sümpfe und sperren gespannt Augen und Ohren auf, ob wir eventuell irgendwo Nilpferde sehen oder hören. Denen möchte man im Mokoro eher nicht begegnen.
Selbstverständlich muss man sich keine Sorgen wegen der Sicherheit machen. Mein mulmiges Gefühl vergeht schnell und ich genieße die Ruhe. Der Fokus liegt hier auf der Pflanzenwelt und auch Ornithologen kommen auf Ihre Kosten. Passend zum Sonnenuntergang drehen wir mit den Mokoros um und machen uns auf den Weg zurück zum Jeep. Dort wartet schon eine weitere Überraschung auf uns. Die Mitarbeiter des Camps haben sich fast komplett dort versammelt und neben einer Bar auch einen Grill aufgebaut. Bevor wir aus unseren Einbaumbooten klettern, halten wir aber noch kurz die Luft an und bleiben lieber sitzen. Ein großer Elefantenbulle nähert sich dem Geschehen, schaut sich kurz um, stapft dann aber gemächlich weiter. Jetzt sind wir wirklich bereit für einen Sundowner Drink und ein paar leckere Snacks!

Khwai oder: Safaris sind kein Zoobesuch

Abendstimmung im Khwai-Gebiet

Der Khwai-Region eilt der Ruf voraus, ein exzellentes Gebiet für Sichtungen von „Katzen“ zu sein. Am östlichen Rand des Okavango-Deltas mit seiner Fülle an Wildtierpopulationen gelegen und ohne offensichtliche Grenzen auf der Karte, wird Khwai oft zugunsten seiner berühmten Nachbarn übersehen – und das zu Unrecht. Da Khwai außerhalb des Nationalparks liegt, bietet die Region die Freiheit und Flexibilität, die normalerweise mit einem weitaus teureren Preisschild in privaten Konzessionen zu finden sind: Hier können Nachtpirschfahrten unternommen werden und die Guides dürfen offroad fahren, man kommt mit ein bisschen Glück also sehr nah an die Tiere heran. Entsprechend hoch sind unsere Erwartungen. Von Linyanti geht es wieder per Flieger nach Khwai, genauer gesagt zum Khwai Tented Camp. Nach einem faulen Nachmittag am Pool (bei über 35° Grad ist das Genuss pur) machen wir uns gespannt mit unserem Guide Dutch auf den Weg. Wir alle sind uns einig – für Elefanten müssen wir nicht halten, hiervon haben wir in den letzten Tagen Unmengen gesehen. Jetzt sind wir bereit für Löwen, Leoparden und Co. Der Nachmittag verläuft zunächst relativ ruhig. Da wir nicht so viele Vierpföter sehen, beobachten wir doch wieder Elefanten im schönsten Abendlicht.

 

Dutch kommuniziert zwischendurch mit den anderen Guides über Funk, aber auch hier kommen nicht die erhofften Meldungen von Löwen, Leoparden oder Wildhunden. Wieder einmal wird uns bewusst, dass Tierbeobachtungen mit viel Glück verbunden sind und wir halt nicht im Zoo sind. Aber das ist es ja schließlich auch, was die Faszination ausmacht. Wir entscheiden, für einen kurzen Sundowner zu halten, und klettern aus dem Jeep. Während Dutch dabei ist, die Kühlbox aus dem Auto zu laden, hält er plötzlich inne, denn wir hören das typische „Lachen“ einer Hyäne – und zwar laut und deutlich! Sofort steigt der Adrenalinspiegel an und die Getränke sind uns auf einmal ganz egal. Wir klettern geschwind wieder ins Auto und Dutch drückt aufs Gaspedal. Hinter der nächsten Kurve wartet besagte Hyäne auch schon auf uns und mit ihr ein beachtliches Exemplar eines Nilpferds. Beide lassen sich von unserer Anwesenheit nicht aus der Ruhe bringen. Einige Fotos später beschließen wir, uns auf den Weg zurück zum Camp zu machen. Es ist mittlerweile dunkel und Dutch benutzt einen großen Strahler, mit dem er das Gebiet rechts und links der Straße absucht. Immer wieder sehen wir leuchtende Augen von Impalas oder anderen Tieren. Plötzlich werden wir langsamer und ein sonderbarer Geruch liegt in der Luft. Wir haben den Bau einer Hyänenfamilie gefunden und beobachten, wie die kleinen Kerlchen herumpurzeln, spielen und ihre Mütter ärgern. Ein toller Abschluss für unseren Tag im Khwai-Gebiet.

Das Hippo ließ sich von seinen Besuchern nicht stören

Moremi Game Reserve – das Beste kommt zum Schluss

Der letzte Morgen unserer Reise bricht an. Zum Glück geht unser Flug zurück nach Maun erst am frühen Mittag; so haben wir noch Zeit für eine Pirschfahrt im Moremi Game Reserve. Der Tag fängt schon vielversprechend an. Beim Frühstück zieht eine Gruppe Wildhunde am Camp vorbei, die wir bei Kaffee und Toast beobachten. So kann es gerne weitergehen. Im Moremi Game Reserve sehen wir viele Selbstfahrer, die sich merklich an die Fersen der Lodge-Fahrzeuge heften. Natürlich wissen die Selbstfahrer, dass die Guides der Lodges untereinander per Funk kommunizieren, und erhoffen sich so, davon in Sachen Tiersichtungen zu profitieren. Wir alle sitzen mit aufgesperrten Augen im Wagen, halten die Kameras bereit und blicken gebannt nach rechts und links. Auf einmal ruft eine unserer Mitreisenden nur: „Leopard“! Was für ein Glück, fast wären wir an ihm vorbeigefahren. Träge und doch majestätisch liegt das Tier in der Sonne und wir alle drücken eifrig auf den Auslöser. So ganz wohl scheint sich der Leopard nicht in seiner Rolle als Modell zu fühlen; schon nach kurzer Zeit steht er auf und zieht sich zurück ins dichte Grün.

Gutes Timing: Für solch eine Sichtung braucht es ein wenig Glück!

Wie heißt es so schön – da waren wir endlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe und wird gerne von uns mitgenommen. Wir werden nicht enttäuscht, sondern geradezu verwöhnt: Bei unserer Kaffeepause bewegen sich plötzlich die Büsche und sieben Löwinnen machten es sich im Schatten bequem.

Das Rudel Löwinnen gönnt sich eine Pause im Schatten

Hiervon können und wollen wir natürlich nicht genug bekommen, aber leider wird das Ticken der Uhr immer lauter, denn wir müssen pünktlich an der Landebahn sein, um unseren Flug nach Maun zu bekommen. Auf dem Weg dorthin ist aber ein weiterer Stopp unvermeidbar, als wir zwei Löwenweibchen mit einem Jungtier entdecken. Nun ist es aber leider wirklich Zeit zum Abschiednehmen. Ein letztes Mal klettern wir in den kleinen Buschflieger, bevor für uns alle die lange Heimreise beginnt.

Ein letzter Stop bei der Löwin und ihren Jungtieren

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© Text und Fotos: Tanja Köhler, Alexandra Nägeli: Löwinnenrudel, Mokoros auf dem Fluss

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