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Matobo National Park: Gemalte Rhinos und Balancierende Steine

Fortsetzung von: Great Zimbabwe oder wie das Land zu seinem Namen kam

Rhino Tracking im Matobo National Park

Der Tag für ein Rhino Tracking beginnt erwartungsgemäß sehr früh. John Burton, der Inhaber von Hermit’s Peak, unserer Unterkunft hier im Matobo National Park, ist auch gleichzeitig Präsident des Matobo Rhino Trust, einer Stiftung zum Schutz der Nashörner im Park, und lässt es sich nicht nehmen, seine Gäste selbst zu seinen einhörnigen Schützlingen zu führen. Wobei das eigentlich nicht mehr so ganz richtig ist: Um die Tiere für Wilderer uninteressant werden zu lassen, hat man ihnen das Horn entfernt.

Voller Erwartungen machen wir uns auf den Weg. Im Gänsemarsch folgen wir John und dem Ranger und erhalten einige Regeln für unterwegs: So sollen wir in einer Gruppe zusammenbleiben und Abstand zu den Tieren halten. Bullen müssen wir besonders im Auge behalten und langsam zurückweichen, sollte einer in unsere Richtung marschieren. Verstanden, das sollte machbar sein. Uns wird dann allerdings doch etwas mulmig, als wir ein einzelnes Männchen auf einmal vor uns auftauchen sehen. Die Ranger geben uns Handzeichen zum sofortigen Anhalten.

Doch plötzlich macht der kräftige Kerl kehrt und sucht das Weite in der entgegengesetzten Richtung. Huch, haben wir so einen Eindruck hinterlassen … Schnell wird uns klar, dass nicht wir ihn vertrieben haben, sondern ein Geschlechtsgenosse, der hier mit seiner kleinen Familie unterwegs ist und diese beschützt. 

 

Es sind Breitmaulnashörner, auch White Rhinos genannt. Sie leben oft mit dem Vater in Familienbanden zusammen, während die Spitzmaulnashörner, die Black Rhinos, eher als Einzelgänger unterwegs sind. Hier im Park leben beide Arten, wobei die White Rhinos in der Mehrzahl sind.

Matobo Rhino Trust

Der Matobo Rhino Trust wurde 2013 ins Leben gerufen und dient dem Schutz der Tiere. Dank einiger Maßnahmen, wie zum Beispiel der Entfernung des Horns und besonderer Schutzvorkehrungen ist der Bestand weitgehend stabil. John erklärt uns: „Die Ranger, die größtenteils aus den umliegenden Gemeinden stammen und für diese Arbeit ausgebildet werden, sind 24 Stunden um die Tiere herum und passen auf.“ Wie in vielen Nationalparks in Afrika spielen auch hier die Einnahmen aus dem Tourismus eine wichtige Rolle. Sie schaffen Arbeitsplätze für die Bevölkerung und die Menschen lernen, dass ein lebendes Nashorn langfristiger und nachhaltiger ihren Lebensunterhalt sichert als ein totes. Zusätzlich wurde ein Wasserloch angelegt, um die Tiere im Park und damit unter dessen Schutz zu halten. Allerdings ist die tägliche Gefahr nie wirklich gebannt und ein kontinuierlicher Ausbau des Projektes ist unumgänglich.

Auf der Rückfahrt treffen wir den einzelnen Bullen von heute Morgen wieder. Wie es scheint, hat er sich einer Herde Rinder angeschlossen. Was wir zu dem Zeitpunkt noch ganz lustig finden, hat einen ernsten Hintergrund. John erklärt uns, dass sich Wilderer oft als Rinderzüchter tarnen, um ihren Aufenthalt im Park zu rechtfertigen. John checkt sicherheitshalber die Lage und meldet die Rinder.

Balanced Rocks auf den Matobo Hills

Unser Weg führt uns tiefer in den Matobo National Park und zu den Balanced Rocks – scheinbar schwerelos aufeinandergestapelte Gesteinsformationen und Granitberge erheben sich in einer grünen Landschaft aus Mopane- und Akazienbäumen.

An einer ganz exponierten Stelle mit einer fantastischen Aussicht, dem „View of the World“, ist das Grab von Cecil Rhodes.

Steinerne Zeugen der Vergangenheit

Einige Steine im Matobo National Park beherbergen 2.000 Jahre alte, gut erhaltene Felszeichnungen der San, die einen interessanten Einblick in die damalige Zeit und die Besiedlung des Gebietes geben. Auch sind auf den Abbildungen eindeutig Nashörner zu erkennen. In den frühen 1960er-Jahren gab es allerdings keine Breitmaulnashörner (mehr) in ganz Simbabwe. Die Zeichnungen bewiesen, dass diese Tiere früher schon in den Matobo Hills gelebt haben mussten, und so beschloss man, ein Schutzgebiet zu errichten und wieder Tiere anzusiedeln.
Aus dem südafrikanischen KwaZulu-Natal siedelte man Breitmaulnashörner um, zwischen 1962 und 1987 kamen vierzehn Tiere aus Südafrika und Swasiland. Anfang der 1960er-Jahre und dann noch einmal 1986/87 holte man Spitzmaulnashörner aus dem nördlichen Simbabwe. Beide Arten vermehrten sich so gut, dass einige Spitzmaulnashörner in andere Parks in Simbabwe umgesiedelt werden mussten, da die Bestände in Matobo zu hoch wurden. Seit Ende der 1990er-Jahre ist leider die Nashornwilderei hier zu einem existenziellen Problem geworden, sodass sich die Zahl der Spitzmaulnashörner von 100 Exemplaren zwischen 2000 und 2012 um fast 65 % reduzierte.
Die Bemühungen der Zimbabwe Parks and Wildlife Management Authority, mit der Hilfe und Unterstützung lokaler und internationaler Partner, haben es geschafft, diese Verluste einzudämmen, aber die Wilderei bleibt eine große Bedrohung. Infos u. a. Matobo Rhino Trust.
 

Aber der Matobo National Park ist auch Heimat kleinerer, dabei nicht weniger interessanter Tiere. Ob kunterbunte Eidechsen, vorwitzige Rüsselratten oder kontaktfreudige Raupen mit Sturmfrisur, jeder Bewohner hat hier seinen Platz und seine Daseinsberechtigung.

Letzteres scheint sein Territorium sogar bis aufs kleinste Haar verteidigen zu wollen … 😉

 

In Matobo sollte man sich Zeit lassen, die vielen wunderschönen Ausblicke zu genießen

Am späten Nachmittag hören wir, wieder in der Lodge angekommen, lautes Hundegebell. Darauf folgen Schüsse und dann herzzerreißendes Jaulen. Hatte John etwa recht in Bezug auf die „Alibi“-Rinder vom Vormittag? Es waren tatsächlich Wilderer in der Umgebung. Deren Hunde treiben die Nashörner in die Enge und vor die Läufe der Flinten. Die Park-Ranger konnten noch rechtzeitig eingreifen: Die Wilderer sind gefasst, die Hunde tot und die Rhinos am Leben – noch …

Fortsetzung folgt

© Text, Fotos und Videos: Claudia Heinrich

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