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Drei Tage Etosha National Park inklusive aller Gefühlslagen

„Namibia hat uns gepackt und infiziert!“

Unsere Route

Endlose Weite, Stille, klare Luft, bezaubernde Farben und Formen, würziger Duft der Savanne und wilde Tiere. Namibia hat uns gepackt und infiziert!
Genau aus diesem Grund sind wir zu Wiederholungstätern geworden und durften, mit freundlicher Unterstützung von Iwanowski´s Reisen und Britz, dreieinhalb Wochen durch Namibia touren. Diese Reise zum „Kopf-frei-bekommen“, zum Energietanken, zum Erleben und zum Erden hat uns mehr als viertausend Kilometer über Schotterpisten und schnurgerade verlaufenden Asphalt quer durch Namibia geführt.

WIR, das sind:
Mein (Reise-)Partner Raik Krotofil, Landschaftsfotograf, Mentor und Reiseleiter bei PhotoTours4U: „Landschaftsfotografie ist für mich wie ein Lebenselixier, eine Magie, die mich antreibt. Sie bedeutet für mich, mit allen Sinnen die Umgebung aufzusaugen. Schreiende Eulen in der Nacht, warme Sonnenstrahlen, die einen Nebelmorgen durchbrechen, Wind, Vogelstimmen, kalte Hände, Salz auf den Lippen, all das sind Erinnerungen, die mich beim Anschauen meiner Fotos an den Ort des Geschehens zurückversetzen und mir bewusst machen, dass es noch ein Leben da draußen gibt. Das Drücken des Auslösers ist oft sekundär, wenn der Himmel mit Farben der tiefen Sonne gesättigt ist und die Natur mir Momente schenkt, die ich so noch nie erlebt habe. Diese Erlebnisse sind kostbar, sie bereichern meinen Alltag und geben mir das Gefühl, wie wertvoll unsere Natur ist. Ich versuche, in meinen Fotos das Erlebte zu konservieren und dem Betrachter meinen Blick auf die Welt zu zeigen.“ https://raiklight.de
Und:
Evelyne Trösch, Reisebloggerin: „Reiseberichte schreiben bedeutet für mich nochmals zu reisen. Mit jedem getippten Wort, mit jedem Bild, das ich bearbeite, rücke ich näher an den bereits erlebten Moment. Weg vom Alltagsstress und hin zu den wundervollen Landschaften, den stets freundlichen Menschen und mir selbst. Ich liebe es, die Menschen mit auf meine Touren zu nehmen. Immer wenn ich höre, dass meine Leser das Gefühl hatten, mit mir zu reisen, dann weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe. Reisen bildet und öffnet den Horizont – es lässt uns toleranter dem Unbekannten gegenüber werden!“ https://barfussimsand.de

Von den Highlights dieser Reise und unseren Erlebnissen gibt es in den nächsten Wochen an dieser Stelle einiges zu lesen …

Das Abenteuer beginnt

Am Morgen sind wir auf einer kleinen Campsite im Damaraland gestartet. Die heutige Etappe wird lang, doch vor uns liegen abwechslungsreiche Tierbegegnungen. So der Plan. 😉
Wir passieren das Galton Gate, bezahlen unseren Eintritt (2 Personen, 1 Auto, 4 Tage) und lassen unser Auto auf Gewehre, Drohnen u. ä. abchecken. Die Kameras liegen einsatzbereit auf dem Schoß.

Galton Gate Etosha National Park

Bereits nach den ersten Metern merken wir, dass der Luftdruck in unseren Reifen viel zu hoch ist. Dieses Geschaukel würde uns die nächsten 260 Kilometer in den Wahnsinn treiben. Wir bekommen gerade noch so die Kurve und halten an der letzten Möglichkeit an, um den Druck in den Reifen zu verringern. Denn wegen des hohen Tierreichtums und der damit verbundenen Gefahren ist das Aussteigen aus dem Auto im Etosha National Park außerhalb der Camps und Rastplätze strengstens untersagt.
Die Weiterfahrt fühlt sich schon besser an. Vom letzten Jahr wussten wir noch, dass die ersten Kilometer des Parks nur wenige Tiere und eine etwas holprige Straße aufweisen.

Wir steuern das erste Wasserloch an. Bereits auf dem Weg dorthin sehen wir eine Vielzahl von Zebras. Auch Gnus und Antilopen erfrischen sich. Für einen Moment genießen wir die Ruhe und beobachten eine Giraffe, die uns scheinbar so gar nicht über den Weg traut.

Elefanten am Wasserloch

Die Strecke wird nicht besser. Völlig unbeirrt steuern wir unseren Toyota Hilux durch die Landschaft und schärfen unseren Blick auf der Suche nach Tieren, die sich vielleicht in den Gebüschen verstecken. Das nächste Wasserloch liegt etwas weiter vom Hauptweg entfernt. Schon von Weitem erkennen wir eine Elefantenherde, die wir nicht stören und damit verscheuchen wollen. Was für ein Glück! Im Vorjahr konnten wir auf der Fahrt keinen einzigen Elefanten ausfindig machen und nun wartet eine ganze Herde auf uns. Langsam lassen wir unser Auto ausrollen und schalten den Motor ab.

Die Augen auf die Dickhäuter gerichtet, merken wir erst nach einer ganzen Weile, dass sich in der Ferne noch etwas Großes bewegt. Whaaat? Vor Tagen haben wir extra eine Tour gebucht, um eines der letzten Spitzmaul-Nashörner zu finden, und heute stehen die da einfach so rum. Was haben wir ein Schwein, ähm Nashorn?!
Nachdem die Elefanten ihr Bad beendet haben und ihren Rückzug antreten, setzen auch wir unsere Fahrt fort, schließlich liegt noch eine weite Strecke vor uns. Kilometer für Kilometer wird die Straße schlechter. Wir wechseln von der linken auf die rechte und wieder auf die linke Fahrspur in der Hoffnung, dass dort die Schotterpiste ein wenig besser ist. Wellblechpiste und Schlaglöcher wechseln sich ab, sodass keine Langeweile aufkommt. Als wir in das Olifantsrus Camp einbiegen, um eine kurze Mittagspause einzulegen, freuen wir uns, für ein paar Minuten das Auto verlassen zu können. 
Leider waren die Tiersichtungen am Wegesrand nicht sehr ergiebig, was dem wenigen Regen im Jahr 2019 geschuldet ist. Wo wenig Wasser ist, wächst wenig Futter und somit treiben sich die Tiere an den spärlichen Wasserstellen herum.

Bevor wir die Pause genießen können, quälen wir nochmals unser Navi, um einen zeitlichen Überblick zu bekommen. Geschockt über die verbleibende Strecke und das Wissen, wie langsam wir vorangekommen sind, kürzen wir die Pause ab. Zum ersten Mal in diesem Urlaub steigt unser Stresslevel. Der Parasympathikus funktioniert also noch.
Da! Von Weitem sehen wir eine Baustelle. ‚Genial‘, denken wir, ‚jetzt wird die Strecke sicherlich gleich besser‘ – bis wir plötzlich vor einem Acker stehen.

Irgendwann trifft es jeden

Die Straße ist ab hier nur noch einseitig zu befahren. Jetzt bitte kein Gegenverkehr … Geht doch!
Umso mehr freue ich mich, als sich eine halbe Stunde vor dem Okaukuejo Camp eine weitere Haltemöglichkeit anbahnt. Ich höre ein seltsames Geräusch (Ssssssss) und steige aus dem Auto. Zu allem Überfluss dürfen wir jetzt auch noch einen Reifen wechseln. Die Reifen an unserem Britz-Mietwagen waren in einem sehr guten Zustand, doch irgendwann wird auch das beste Profil von einem kleinen, scharfen Stein durchbohrt. Was haben wir für ein Glück, dass wir das hier bemerkt haben, denn außerhalb der eingezäunten Fläche wäre es unmöglich gewesen, den Reifen zu wechseln. Die Uhr tickt weiter …
Im Okaukuejo Camp halten wir kurz, um zu fragen, ob es überhaupt sinnvoll ist, noch weiterzufahren, oder ob wir gleich hier übernachten sollten. Wir hätten noch 75 Kilometer, also ca. 50 Minuten vor uns. Laut der Dame an der Rezeption wäre das machbar. Da das Camp sowieso ausgebucht ist, haben wir keine Wahl. Im Camp sagte man uns, dass die Strecke nun endlich besser werden würde. Wir wollen keine Zeit verlieren. Keinen Blick mehr für die Landschaft und die eventuell vorhandenen Tiere. „Da muss etwas sein. Da stehen so viele Autos“, kommt es von Raik auf der Fahrerseite. „Egal, schau, dass du dich da irgendwie durchschlängelst. Wir haben echt keine Zeit mehr“, sage ich und dachte mir nur – ‚Und auch keine Nerven.‘

Die Autos halten kreuz und quer und wir fahren sehr langsam durch die Menge. Doch da steht plötzlich diese Löwendame neben uns. Ein kurzes Foto muss jetzt sein. Die anderen Autofahrer verfluchen uns wahrscheinlich, weil sie sicher schon eine Ewigkeit auf den richtigen Moment warten. Sorry, sorry, wir sind auch schon wieder weg.

Wettlauf mit der Zeit

Der restliche Weg zum Halali Camp ist eine reine Staubwolke von Fahrzeugen, die wohl auch pünktlich sein wollen. Drei Minuten bevor das Camp nun schließt, fahren wir durch das Tor. Puh, das ist ja nochmal gut gegangen. Schnell rein in den Supermarkt und noch kurzerhand ein Paket tiefgefrorenes Fleisch kaufen. Sehr praktisch, dass es bei 32 Grad im Schatten schnell auftaut, sodass wir auch schon bald grillen können.
Mein Stresslevel hat sich nun gelegt und nach dem Essen lasse ich es mir nicht nehmen, an das Wasserloch zu gehen. Ich fand es schon auf unserer letzten Reise so toll und wollte unbedingt noch einmal hierher – auch wenn der Rest der Anlage nicht mit anderen Unterkünften zu vergleichen ist. Schon auf dem Weg zur Aussichtsplattform macht sich Unruhe breit und das nicht zu Unrecht: Eine Elefantenherde mit etwa 30 Tieren hat das nasse Etwas in Beschlag genommen und genießt die Erfrischung in allen Zügen. Meine Mundwinkel ziehen zu einem Lächeln und ich frage mich kurz.: „Was war eigentlich heute nochmal alles passiert …?“ Bei diesem Anblick erscheint der Rest irgendwie unwichtig.
Im Laufe des Abends haben sich die Elefantenherden abgewechselt und zum Schluss durften wir etwa 100 Elefanten und vier Rhinos mit Baby bestaunen. Zeitvergessen und den Kopf voller Eindrücke – geht nun auch für uns der Tag zu Ende und die Vorfreude auf die noch kommenden Erlebnisse lassen uns freudig einschlafen.

Mutter Rhino mit Kind

Am Vormittag ist es herrlich leer. Die meisten Reisenden sind noch immer auf Game Drive, bereits weitergefahren oder haben noch nicht eingecheckt. So chillig und ruhig kann also ein staatliches Camp sein.

Ruhiger Morgen im Halali Camp

Während ich mich um den Haushalt kümmere, bringt Raik unseren kaputten Reifen zur Reparatur. 

Elefanten satt

Es ist wieder Zeit fürs Wasserloch. Schon von Weitem hören wir das Tröten der Elefanten; am Loch angekommen, tummelt sich hier eine noch größere Herde als am Abend zuvor. Unfassbar! Der Rest des Parks wirkt wie ausgestorben, aber dieses Spektakel hier wirkt fast wie bestellt.

Nach dem Abendessen geht es in der Dämmerung wieder zum Wasserloch Halali. Und schon wieder Elefanten – ich weiß, ein wahres Luxusproblem, aber wir würden uns auch mal über andere Tiere freuen. 

Eine einsame Hyäne

Dann – Geräusche aus dem Buschland hinter dem Wasserloch. Was mag das sein? Wir ahnen etwas. Graue, unscharfe Umrisse – eine Gestalt wagt sich langsam aus dem Dickicht heraus. Eine Hyäne! Heute Morgen noch waren wir etwas zu spät, aber nun zeigt sie sich in ihrer vollen Größe. Allerdings nur für ein kurzes Gastspiel … Die Elefanten scheinen ihr nicht geheuer, alleine hat sie eh keine Chance.

Am nächsten Morgen genießen wir wieder die Stille und packen nach dem Frühstück ganz in Ruhe unsere Sachen. Die Fahrt geht weiter Richtung Lindequist Gate im Osten des Parks. Unterwegs nutzen wir die kleinen Abzweigungen zum Game Drive. Am Wasserloch Batia werden wir mit diversen Tierherden belohnt: Gnus, Zebras, Springböcke, Impalas, Red Hardebeast und viele mehr.
Bevor wir zu unserer nächsten Übernachtungsstation, dem Onguma Camp, aufbrechen, gönnen wir uns einen letzten Lunch Break im Park und genießen mit Blick auf ein Wasserloch die Reste vom Vortag. Leider ist hier nicht allzu viel los. Doch als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, entdecken wir bei der Weiterfahrt ein schön gelegenes Wasserloch am Dikdik Drive und werden nicht enttäuscht: Giraffen, seltene Marabus und eine badende Hyäne lassen uns etwas länger verweilen.

Wir verlassen den Etosha National Park durch das Lindequist Gate, nachdem unser Auto inkl. Kofferraum und Kühlschrank auf Fleisch durchsucht worden ist, und freuen uns , trotz des holprigen Starts auf eine wundervolle Reise durch Namibia.

Fortsetzung folgt …

Texte: Evelyne Trösch
Fotos: Raik Krotofil

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