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Muscat, die Stadt zwischen Moderne und Tradition – Meine Reise in den Orient | Teil 2

Hotel Chedi – Luxus aus Tausendundeiner Nacht

Willkommen im Orient

Wir erreichen unser Hotel und kommen aus dem Staunen nicht heraus: Das Chedi entpuppt sich als märchenhafter Luxus aus Tausendundeiner Nacht. Die Eingangshalle ähnelt einem Beduinenzelt und vermittelt zusammen mit der in Erdtönen gehaltenen Sitzlandschaft eine Symbiose zwischen modernem und traditionellem Orient, zwischen Traum und Realität. Ein gelungener Spagat, wie wir ihn immer wieder im Oman erleben werden.

Auch das Essen überrascht durch Vielfalt und reizvolle Kombinationen: West meets East, Gewohntes vermischt sich mit besten nahöstlichen Spezialitäten. Besonders angetan sind wir von den appetitlich angerichteten arabischen Gerichten, durchsetzt von fernöstlichen Einflüssen. Was probiere ich zuerst, was mag das sein, wonach schmeckt es …? Eine Herausforderung, der sich unsere Gaumen nur zu gerne stellen.

Qabus-Moschee, eine der größten der Welt

Auf diese eher weltlichen Freuden folgt nun ein spirituelles Erlebnis: Wir werden zum Besuch der Qabus-Moschee abgeholt, eine der größten Moscheen der Welt. Zu unserer Überraschung ist sie zeitweise auch für Nicht-Muslime geöffnet.

Wir bewundern die prachtvolle Ausstattung, und Mohamed, unser einheimischer Guide, versucht unsere ganzen Fragen zu beantworten. Natürlich sind wir korrekt gekleidet, die Damen mit Kopftuch, langem Kleid und bedeckten Armen, bei Männern reichen ein langärmeliges Hemd und lange Hosen. Und selbstverständlich muss man seine Schuhe vor der Moschee ausziehen.

Welch eine Pracht im Inneren: Der Gebetsteppich misst 75 x 75 m, er wurde in 58 Teilen gewebt, 600 Frauen waren damit 4 Jahre lang beschäftigt. Und darüber hängt einer der größten Kronleuchter der Welt mit 15 m Höhe, 8 m Breite und 1.122 Leuchten – dicht behängt mit Swarovski-Kristallen.

Sultanspalast, Souq und die unübertroffene Sauberkeit

Weiter geht es auf den lebendigen Mattrath Souq am Hafen. Uns erwartet ein typisch orientalisches Gewirr, eine bunte Palette an allerlei Kunsthandwerk, Leckereien, omanischer Kleidung … Unsere Sinne sind restlos überfordert.

In wenigen Fahrminuten sind wir am Al-Alam-Sultanpalast. Wir staunen über die blühenden Beete ringsum und einmal mehr über die unübertroffene Sauberkeit.

Palast des Sultans

Zum Mittagessen kehren wir in ein kleines authentisches Restaurant ein, dem Bait al Luban. 
Unzählige Schüsselchen und Teller mit unterschiedlichsten Leckereien werden aufgetischt … Wer soll das alles nur essen?

Sultan Qabus ibn Said

Der Mann, der den modernen Oman schuf

Sultan Qabus ibn Said (Bild re.) wurde am 18.11.1940 im südlichen Küstenort Salalah geboren und ist seit dem 23. Juli 1970 der Sultan von Oman. Seine Kindheit und Jugend verbrachte der einzige Sohn des Sultans Said ibn Taimur in Salalah, hier wurde er von einem erfahrenen arabischen Gelehrten betreut und unterrichtet. 1958 schickte ihn sein Vater auf eine Privatschule nach Großbritannien, wo Qabus ibn Said ab 1960 verschiedene Ausbildungen in der britischen Armee absolvierte, um Erfahrungen für den späteren Aufbau einer omanischen Armee zu sammeln. Es folgten ökonomische und administrative Studien. Nun war der zukünftige Sultan mit allen Fähigkeiten ausgestattet, die zur Erschaffung einer modernen und effizienten Verwaltung notwendig sind. Zurück in Salalah widmete er sich den Studien in omanischer Kultur, Historie und islamischer Religion und entmachtete 1970 seinen Vater, der daraufhin ins Londoner Exil floh, wo er zwei Jahre später verstarb.
Bevor der junge Herrscher Qabus seine Macht ausbauen konnte, musste er zunächst Aufständische, genauer gesagt die „Volksfront für die Befreiung Omans“, mithilfe der Britten und des Iran zurückdrängen. Der Aufbau eines modernen Staates Oman konnte nun beginnen, Ein- und Ausreisen wurden erleichtert, man öffnete sich der Welt. Die Ölkrise 1973 spülte viel Geld in die Sultan-Kassen, die Qabus konsequent in die Modernisierung von Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungswesen investierte. Danach förderte er Industrie und Landwirtschaft. Nach wie vor ist das Land allerdings stark abhängig vom Export von Erdöl und Erdgas. Tourismus spielt eine zunehmende, im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen jedoch nur marginale Rolle.

Sultan Qabus ist in Personalunion Premier-, Verteidigungs-, Finanz- und Außenminister sowie oberster Dienstherr der Zentralbank. Als Staatsoberhaupt genießt er bei der Bevölkerung hohes Ansehen und Respekt. Den Omanis geht es gut: Sie zahlen keine Einkommenssteuer, Bildung ist auf allen Ebenen kostenlos, ebenso die medizinische Versorgung. Jeder Omani bekommt bei Heirat ein kostenloses Grundstück von 600 m²! Etwa 50 % der Arbeitnehmer kommen aus dem südostasiatischen Ausland, z. B. aus Indien, Bangladesch und von den Philippinen. Diese Arbeiter haben im Oman nur Aufenthaltsstatus; kann eine Stelle von einem Omani besetzt werden, dann bekommt dieser sie.

Wadis und Oasen

Kurzer Stopp beim Weihrauchbaum

Szenenwechsel! Wir fahren den Küsten-Highway nach Süden Richtung Sur. Die Straßen sind hervorragend ausgebaut, die Berge gegen Erdrutsche mit Beton-Ummantelungen geschützt. Das Wadi Shab am Weg bietet mit seinem kristallklaren Wasser Abkühlung. Wadis sind Flusstäler, die allerdings nur hin und wieder Wasser führen. Hier wandert man in die Schlucht, kommt man an Datteloasen vorbei und erreicht am Ende eine Serie von malerischen Pools.

Oasen sind wirklich kleine Paradiese. Sie werden von durch Kanäle geführtem Wasser versorgt, kleinere Abzweigungen, die nach Bedarf der Pflanzen geöffnet oder geschlossen werden können, sorgen für eine gleichmäßige Bewässerung. Keine Pumpen sind erforderlich, keine Mechanik, ein genau austariertes Gefälle sorgt für einen steten Wasserfluss – und das seit Jahrhunderten. Man betreibt hier Etagen-Landwirtschaft: Im Schatten der Dattelpalmen wachsen oft Bananen, am Boden wird vor allem Gemüse kultiviert. Wenige Kilometer weiter südlich lockt der Abzweig ins Wadi Tiwi, mit einem kleinen Boot kann man sich auf die andere Flussseite bringen lassen, um dann in die malerische Schlucht zu wandern. Idyllische Oasen, tolle Badepools – wie im Garten Eden, alles in Gehweite.
Zeit nach so vielen Eindrücken, einen Lunch-Stopp etwas südlich im Wadi Shab Restaurant einzunehmen. Von der luftigen Terrasse genießen wir den tollen Blick auf die Küstenbuchten und das glitzernde Meer.

INFO: Selbstfahrer willkommen!

Das Straßensystem im Oman ist hervorragend ausgebaut. Man „vermisst“ Schlaglöcher, der größte Teil ist ab der Dämmerung sogar beleuchtet! Allenthalben gibt es zur Reduzierung der Geschwindigkeit Schwellen („bumper“), sehr oft sieht man Radarkontrollen.

Die Ausschilderung ist meist in Arabisch und in Englisch. Natürlich herrscht Anschnallpflicht, bei Alkohol Nulltoleranz (Verhaftung droht!). Die Wadis füllen sich bei starkem Regen schnell mit Wasser. Deshalb sind am Rande der Straße rot-weiße Pfosten angebracht. Wenn der Wasserspiegel rot erreicht, sollte das Wadi nicht mehr durchfahren werden!

Sur – Die „weiße“ Stadt am Meer

Bald erreichen wir die „weiße“ Stadt am Meer – Sur. Eine wahre Pracht wie aus dem omanischen Mittelalter: Festungen, alte Wachtürme, Lehmhäuser, Meer und eine einladende Uferpromenade. Ein geschichtsträchtiger Ort, der insbesondere durch Sklavenhandel mit Ostafrika und Indien zu Reichtum kam. Bergab ging es wirtschaftlich, als Großbritannien um die Mitte des 19. Jahrhunderts das dreckige Geschäft verbot und dann auch noch 1869 der Suezkanal eröffnet wurde.

Dann ließ auch der Handel mit Indien schlagartig nach. Was aber blieb, war der Bau der Daus, der traditionellen Schiffe, die nach Afrika und Indien segelten.

Wir besichtigen eine alte Werft – die Tunahassoon Boat Factory – und können nur staunen: Stück für Stück wird ein solch mächtiger Segler aus verschiedenen Holzarten zusammengezimmert, die schweren Stämme werden unten am Rumpf verbaut. Und fast alles in Handarbeit, wie vor Hunderten von Jahren. Neben Omanis arbeiten hier vor allem Handwerker aus dem südasiatischen Raum, meist aus Indien.

Der kleine Bruder der Namib

„The Men of the Desert“

Und auf geht´s in das Landesinnere, zunächst zum Wadi Bani Khalid, einer immergrünen Oase. Natürlich locken hier unzählige Bademöglichkeiten im türkisfarbenen Wasser. Das kleine Restaurant ist ein wunderbarer Platz für unseren Lunch. Nächster Halt ist der kleine Ort Wasil, wo an der Tankstelle der Reifendruck herabgelassen wird. Grund: Von hier aus führt eine Piste durch tiefen Sand zum Desert Nights Camp. Der Weg wird rechts und links von Sanddünen gesäumt. Und dann taucht wie eine Fata Morgana das orientalische Märchen eines Luxuscamps mitten in der Wüste auf. In lockerer Anordnung gruppieren sich die geräumigen, toll eingerichteten Einheiten mit einem zeltähnlichen Dach. 

Bald nach der Ankunft werden wir zu einem alkoholfreien Sundowner auf eine hohe Düne gefahren. Von hier aus bietet sich ein grandioser Blick auf die unendliche Dünenlandschaft. Von Namibias Dünen ein für alle Mal verdorben, finden wir das alles sehr schön, doch unsere Augen und unsere Seelen haben anderes erlebt. Die Gäste, die noch nie in der Wüste waren, sind dagegen einfach überwältigt und sprachlos … Fortsetzung folgt

Text: Michael Iwanowski
Fotos & Videos: Ursula und Michael Iwanowski

Hier gehts zum 1. Teil der Reise.

1 Kommentar

  1. Maureen Posthuma

    Sehr sympathisch geschrieben und wunderschöne Bilder! Und dann völlig unerwartet eine Hommage an Namibia! Keine Frage: diese Perle an der Spitze der Arabischen Halbinsel steht bei mir ab sofort auf der Bucket list!

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