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Lüderitz, ein interessantes und oft vergessenes Relikt abseits des „anderen“ Namibia

(Der tiefe Süden Teil 1)

Lüderitz ist ein wahres Unikat auf einer Reise durch Namibia. Nur mit einer Stichstrasse B 4 mit dem Inland verbunden durchfährt man bequem die Süd-Namib auf einer Asphaltstrasse, über die bei Wind der Sand weht.

Eine unwirkliche Szenerie, und dann taucht die geschichtsträchtige Küstenstadt Lüderitz auf mit ihre z.T. bunten alten Kolonialhäusern. Kurz davor liegt südlich die alte, längst verlassene Siedlung Kolmanskop. Alles ist umgeben von einem morbiden Charme, auch wenn sich die Stadt stets Mühe gab und gibt, den Anschluss an die jeweilige Moderne zu finden.

Die Sache mit den Meilen und Adolf Lüderitz

Bereits im Januar 1488 tastete sich Bartolomeu Diaz an der südwestafrikanischen Küste entlang. Die Lüderitzbucht nannte er „angra pequena“ (kleine Bucht). Hier suchte er fünf Tage lang Zuflucht vor schlechtem Wetter. Am heutigen Diaz Point errichtete er ein Steinkreuz, das er dem Heiligen Jacobus widmete. Alle nachfolgenden Seefahrer schätzten die Bucht als die beste entlang der südwestafrikanischen Küste, aber ihre Lage war aufgrund des kühlen Klimas und des unwirtlichen Hinterlandes doch sehr abweisend. Robben- und Walfänger, Fischer und Gua­no­sammler waren die ersten Menschen, die den Hafen nutzten. Was aber fehlte, war Trinkwasser, das per Schiff angeliefert werden musste.

Adolf Lüderitz, ein Bremer Kaufmann, ließ am 1. Mai 1883 durch seinen Vertrauten Heinrich Vogelsang das Gebiet von „Angra Pequena“ erwerben: Für damals 10.000 Reichsmark und 260 Gewehre wurde das Land im Umkreis von 5 Meilen um die Bucht dem Häuptling der Bethanier, Joseph Fredericks, abgekauft. Dabei war allerdings Betrug im Spiel: Fredericks ging von den damals gebräuchlichen englischen Meilen (1,6 km aus), während später Lüderitz „geografische“ Meilen“ (7,4 km) zugrunde legte. Der Protest von Fredericks verlief im Sande, er verlor einen Großteil seines Stammesgebietes.

Architektonische Relikte

Lüderitz besitzt eine sehr gute historische Bausubstanz. Die meisten Gebäude wurden in den Jahren des Diamantenbooms zwischen 1908 und 1914 errichtet. Der spätere wirtschaftliche Niedergang von Lüderitz hatte hinsichtlich des architektonischen Aussehens auch etwas Gutes: Es wurden fast keine neuen, unpassenden Häuser zwischen die alten gesetzt. Besonders schöne Zeugnisse der alten Zeit sind u. a. die Kirchen, das Bergamt, der Bahnhof, das ehemalige Krankenhaus auf Shark Island (jetzt das Büro des Fischereiwesens), die Schule, das Woermannhaus (mit Café), das Gericht sowie das ehemalige Kaiserliche Postamt in der Schinzstraße, und alle Gebäude in der Bergstraße, wie das Kreplin-Haus und das Eberlanz-Haus.

TIPP: Wenn es die Zeitplanung zulässt, sollte man diesen Abstecher einplanen!

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