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Ein tolles Erlebnis in Kapstadt: Woodstock, vom Industrie- zum Designerzentrum

Ein Beitrag von Dirk Kruse-Etzbach

Woodstock ist eines der interessantesten Viertel. Wo einst Werkstätten, Großbäckereien und Kleinindustrie angesiedelt waren, findet sich heute eine ganz andere Kultur. Designer, Startups, ausgefallene Cafés und Restaurants, Mikro-Brauereien, Galerien und kleine Geschäfte mit einem bunten, zum Teil urigen Angebot sind in die alten Gebäude eingezogen und locken heute die Besucher an. Straßenkünstler sorgen zudem dafür, dass viele Häuser mit lustigen Wandmalereien bemalt sind. Man erinnere sich daran, dass Kapstadt 2014 zur Designhauptstadt der Welt erklärt worden war, ein Titel, den u.a. auch Helsinki, Osaka und Lille getragen haben.

In Woodstock herrscht ein ganz eigenes Flair. Wenn dann samstags in der Biscuit Mill ein organischer Foodmarket abgehalten wird, dann muss man schon nach einem Parkplatz suchen. Doch selbst in Zeiten von Corona halten sich hier alle an die Maßnahmen. Bereits am Eingang werden die Temperatur gemessen und die Hände desinfiziert. Maskenpflicht herrscht natürlich auch. Wir sind aber hergekommen, um mit einigen Händlern, Designer, Künstlern und Restaurantbesitzern zu reden.

Die Aussagen waren doch recht unterschiedlich. Die Restaurants klagen unter der Woche über einen Mangel an Besuchern, selbst in Afrika’s vermeintlich bestem Restaurant, der Test Kitchen, erhält man tagsüber oft ohne Reservierung einen Tisch. Ebenso ergeht es den kleinen Geschäften, wie uns Susan erzählte, die in einem Stoffladen in der Biscuit Mill arbeitet. Nebenan, im Karoo Moon, das ausgefallene Souvenirs verkauft, sieht es nicht anders aus. Es fehlen die Touristen, vor allem die aus dem Ausland, doch auch die Gauteng-Crew, wie sie hier genannt wird, reist nur noch in der Hauptsaison an und spart an Kleinigkeiten.

Im Wauhaus und im weit bekannten Scotch & Sofa, die beide Designer- bzw. Vintagemöbel verkaufen, erläutert man uns, dass das Geschäft eigentlich läuft. Denn jetzt investieren und renovieren die Immobilienbesitzer, besonders die, die ihre Wohnungen ansonsten vermieten. Doch da die Mieter, also Feriengäste aus Übersee rar sind, nutzt man die Gelegenheit und investiert in hoffentlich bessere Zeiten. Das bestätigt uns auch Salan, ein eingewanderter Pakistani, der alte Möbel wieder herrichtet bzw. auf alt getrimmte Tische und Regale verkauft „Es brummt nicht, aber es läuft“.

Und wie so oft, gut geht es weiterhin denjenigen, die Alkohol verkaufen. Die Woodstock Brewery beliefert immer mehr Restaurants und abends, vor allem auch am Wochenende, kommen Leute in das kleine Geschäft der Woodstock Gin Company und lassen sich aufregende Gin Cocktails mixen.

Hinter den Kulissen, wo die Designer und Startup Manager tüfteln, erzählt man uns, dass sie wenig von Corona spüren. Sie haben Aufträge nicht nur landesweit, sondern in der ganzen Welt. Neues und Anderes bleibt scheinbar immer gefragt.

Dirk Kruse-Etzbach bereist Afrika bereits seit den 1980er Jahren, u.a. auf einer Tour quer durch den Kontinent von Kiel bis Kapstadt. In Simbabwe machte er seine Diplomarbeit und später hat er sich dort den Künstlern der Shona-Art-Steinskulpturen angenommen und über mehrere Jahre mit Freunden eine Galerie in Deutschland betrieben. Seit fast 30 Jahren ist er, vornehmlich für den Iwanowski Verlag als freiberuflicher Journalist in Europa, den USA und Afrika tätig und hat dabei mehrere Reiseführer geschrieben bzw überarbeitet. So z.B. „Kapstadt“, „Der Norden und Osten Südafrikas“, „Simbabwe“, „Gästefarmen in Namibia“, „101 Safari Afrika“ u.a.

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