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Burgen, Märkte und Gebirge – Meine Reise in den Orient | Teil 3

Ein neuer Abschnitt unserer Reise beginnt, es geht in den zentralen Teil des Oman. Mohamed, unser omanischer Guide, bereitet uns kurz und bündig auf die „Top-Highlights“ des Landes vor: „Ihr werdet staunen!“
Wir verlassen die Dünenlandschaft der Wüste und tauchen nun in eine andere Welt ein:

Der Oman ist weltberühmt für seine grandiosen Lehmbauten und in Al Mudayrib sehen wir schon von Weitem die alten Wachtürme, die wie Vorposten der Wüste auf den Hügeln thronen.

Der kleine Ort atmet auf Schritt und Tritt orientalische Vergangenheit, die fast morbide Stimmung ist überall zwischen den langsam zerfallenden Lehmhäuser und in den alten Gassen spürbar. Man fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt und doch irgendwie im Heute. Um den einzigen falaj (gespr. Faladsch), den Bewässerungskanal, reihen sich die Wohnhäuser mit ihren prächtigen Eingangstüren, Zeugen der reichen Vergangenheit eines Ortes entlang einst wichtiger Karawanenrouten.

Birkat Al Mawz am Fuße des Jebel Akhdar

Wenig später erreichen wir Birkat Al Mawz mit dem restaurierten Fort Bait al Rudaidah, am Fuße des mächtigen Berges Jebel Akhdar. Die Oase wird von einem verzweigten System von Wasserkanälen (Aflaj) versorgt. Datteln, Mais, Granatäpfel, Mandeln, Weintrauben und Walnüsse gedeihen hier prächtig. Danach geht´s in die Berge. Auf einer reichlich gewundenen, bestens ausgebauten Straße, die z. T. recht steil bergan geht, passieren wir einen Checkpoint der Polizei. Die Beamten überprüfen, ob wir auch mit einem vorgeschriebenen Allradfahrzeug unterwegs sind. Beim Bergabfahren ist ein Allradfahrzeug besser, man muss kaum die Bremse betätigen und vermeidet dadurch heiß gelaufene Bremsen, die einen normalen Wagen nicht mehr halten. Für alle Fälle gibt es auf dem Weg nach unten Escape-Abzweigungen, wo man den Wagen auf Schotter und bergan zum Stoppen bringt. Omanische Unfall-Prophylaxe!

Grandiose Ausblicke und tiefe Schluchten

Nun klettern wir bis auf über 2.000 m Höhe. Grandiose Ausblicke hinter jeder Kurve, Schluchten und tiefe Täler rauben uns immer wieder den Atem. Vom Diana´s Point schauen wir auf alte, mittlerweile verlassene Terrassenfelder. Was für eine Aussicht!

Doch kurze Zeit später werden wir überrascht: Auf einer Felsklippe ist auf einem Teppich, umrundet von Sitzkissen, unser Lunch ausgebreitet, direkt dahinter geht es steil in einen Canyon hinab. Und hier soll man einen Bissen herunterbekommen? Dorfbewohner, offensichtlich Vater und Sohn, servieren uns ein opulentes Mahl. Einfach himmlisch, man fühlt sich wie auf Wolke 7…

Luxus hoch über dem Canyon

Nach dieser Pause geht es zu unserem Bergresort Alila. Hoch über dem Canyon gelegen, wird hier Luxus auf omanische Art perfekt in Szene gesetzt.


Wir treten ein und werden unmittelbar vom märchenhaften Ambiente verzaubert, wozu neben den vielen Ornamenten auch die allgegenwärtige Weihrauchnote beiträgt. Mich erinnert der Duft an „Kirche“ und sakrale Momente, zugleich sorgt er für ein arabisches Flair.  Weihrauch, das wissen wir mittlerweile, ist das Harz des Weihrauchbaumes, galt früher als besonders kostbar und wurde mit Edelmetallen aufgewogen.

Wieder staunen wir: „WOW“ und „Guck mal hier!“ Mit offenen Mündern bewundern wir die spektakuläre Lage und die liebevoll ausgewählten Details dieses Luxushotels: eine Symbiose omanischer Kunst und Kultur, erbaut aus Steinen der Umgebung. 

So erscheint die Unterkunft nicht als „Fremdkörper“, sondern als integraler Bestandteil der umliegenden Landschaft. Die Erhabenheit des Ausblicks von den Terrassen und Außenanlagen prägt sich für immer in die Erinnerung. Fast überflüssig zu bemerken, dass Service und Küche dem gelassen-selbstverständlich wirkenden Luxus von Alila in jedem Punkt gerecht werden.

Auf zum Markt nach Nizwa

Der nächste Tag bricht an. Für einen Ausflug geht es wieder hinunter ins Tal in die Oasenstadt Nizwa. Heute ist Freitag, der Tag des Viehmarktes, und entsprechend ist vom Morgen bis zum Mittag das Gedränge groß, denn das Ereignis bringt Omanis aus dem ganzen Umland zusammen.

Ziegen und Rinder werden in einem Kreis zusammengeführt und von den Interessenten begutachtet: Da wird dem Vieh ins Maul geschaut, werden die Hufe kritisch inspiziert und die Leiber mit Händen abgetastet.

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Im Anschluss nehmen die neuen Besitzer das gekaufte Tier zum Teil mit den Jungen mit sich. Daneben pflegt man natürlich ein Schwätzchen hier und da und amüsiert sich, bevor sich die Menge allmählich zum Freitagsgebet in die Moschee begibt. Mitten unter Omanis fühlen wir uns fast zugehörig. Meine Frau Ursula erntet bewundernde und anerkennende Blicke für ihr schönes, authentisches Outfit.

Gleich daneben befindet sich der Eingang zum Souq mit seinem schier unüberschaubaren Angebot. Ursula ist fasziniert von einem Lampengeschäft, ich schaue mir derweil die vielen Gewürze und Kochzutaten an. Draußen beobachten wir die Männer und deren Söhne, die  Gewehre und zum Teil edle Dolche begutachten und damit hantieren. Eine höchst lebendige Zeremonie, der man bei einer Tasse omanischen Kaffees entspannt zuschauen kann.

Khanjar – Traditioneller Krummdolch jedes Omani

Der Khanjar ist der traditionelle Krummdolch, den jeder omanische Mann nach Einsetzen der Pubertät tragen darf. Wurde er früher tatsächlich als Waffe benutzt, so ist er heute eher ein Symbol nationaler Identität – und gibt durch das bei seiner Herstellung verwendete Material bzw. die Art der Verarbeitung zugleich Auskunft über die gesellschaftliche Stellung seines Trägers. Der Khanjar ist Bestandteil der traditionellen Kleidung, die omanische Männer bei festlichen und offiziellen Anlässen anlegen. Er wird stets links getragen, wobei die Klingenspitze nach rechts zeigt. Der traditionelle Charakterdes Khanjar und sein hoher Symbolwert kommen auch in der Tatsache zum Tragen, dass dieser Dolch als beherrschender Teil das Staatswappen ziert. Der Khanjar besteht aus der fast rechtwinklig gebogenen Scheide, der beidseitig geschärften Klinge und dem Gürtel, mit dem der Dolch umgeschnallt wird. Die Scheide ist meist aufwendig mit Silber oder Gold verziert. Auch in den Gürtel sind feine Silberfäden eingewebt. Eine Besonderheit sind Ledergürtel in einer aus feinem Silberdraht gewebten Hülle.
Aus Iwanowski’s Reiseführer Oman

Bahla Fort und Al Hamra – in Lehm

Wenige Kilometer weiter liegt das imposante Bahla Fort am Rande einer Oase. Die Stadt war bis 1789 Hauptstadt des Oman und ist heute noch ein geistliches Zentrum. Das Fort, Omans größter Lehmbau und als UNESCO-Kulturerbe geschützt, ist aufwendig restauriert. Die auch im Sommer eher kühlen Innenräume, in denen u. a. Teppiche und Kissen zum Gebet einladen, können besichtigt werden.

Von den oberen Terrassen genießt man den Blick auf die Stadt und die Oase.
Wir machen uns weiter auf nach Al Hamra. Das alte Lehmdorf ist noch ausgezeichnet erhalten, da es nie in kriegerische Auseinandersetzungen einbezogen war. Die engen Gassen, durch die wir schlendern, bieten erholsamen Schatten. Dann stehen wir vor einem mehrstöckigen Lehmhaus: dem Bait al Safah.

Hier ist ein sehr authentisches Heimatmuseum eingerichtet. Omanische Frauen zeigen ihr Kunsthandwerk und backen zur Anschauung dünnes Fladenbrot, das man natürlich auch kosten darf. Sie sind sehr aufgeschlossen und erklären alles äußerst lebendig. Gut gelaunt und bei allgemein fröhlicher Stimmung erhalten wir (einmal mehr) unseren omanischen Kaffee.

Omanischer Kaffee

Zeichen der Gastfreundschaft und des Willkommens

Sehr oft wird er mit Kardamom, Safran und Rosenwasser „veredelt“, manchmal noch mit etwas Zimt und Nelken. Da der Kaffee ungezuckert ist, nimmt man vor dem Trinken noch eine süße Dattel – und das mit der rechten (reinen) Hand. Für unseren Geschmack war der Kaffee eher schwach und nicht mit einem starken Espresso zu vergleichen, durch die Zutaten schmeckt er etwas „verfremdet“. Serviert wird er in kleinen, henkellosen Tassen, ausgeschenkt aus einer oft besonders verzierten silbernen Kaffeekanne.
Wenn man nicht mehr nachgeschenkt haben möchte, wackelt man dreimal mit der Tasse … andere Länder, andere Sitten!

Hadjar-Gebirge, beschauliche Bergdörfer und ein Abschied

Am Morgen heißt es Abschied nehmen von unserem schönen Berghotel Alila mit dem spektakulären Ausblick, denn wir begeben uns auf die wohl abenteuerlichste Etappe unserer Reise. Es geht offroad durch das westliche Hadjar-Gebirge. Die Fahrt dauert drei Stunden auf unasphaltierter Straße, ab und zu liegt Geröll auf der Spur. Bei Regen kann man hier unmöglich entlangfahren, da der Untergrund aus Lehm besteht. Das ist nichts für ängstliche Gemüter, oft blickt man in schwindelerregende Abgründe. Aber Mohamed fährt sehr bedächtig, teilweise nur im Schritt-Tempo.

Dafür aber verwöhnt uns die Strecke mit wirklich atemberaubenden Ausblicken! Besonders gefällt uns Bilad Sayt, ein kleines Dorf im Schatten riesiger Berge und terrassenförmig angelegter Felder. Oh Mann, wir hätten uns den Oman nie so vorgestellt, Hochgebirge bis über 3.000 m!

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Unten angelangt, erreichen wir die Festung Nakhal aus dem 17. Jahrhundert. Tolle Ausblicke belohnen den Besucher, das Fort beschützte die Oase und den alten Handelsweg von der Küste ins Landesinnere.

Über die schnelle Küstenstraße geht es zurück nach Muscat. Der Kreis schließt sich und unsere Tour endet im Shangri-La Al Husn Hotel. Eine Luxusoase wie aus 1001 Nacht. Direkt am Strand gelegen, bietet es das passende Ambiente, um eine Reise voller Höhepunkte beschaulich zu beenden.

Eine Bootsfahrt am Nachmittag zeigt uns die Schönheit der Küste von der Seeseite. Beinahe wehmütig blicken wir auf die vergangenen anderthalb Wochen zurück. Die zahllosen unterwegs geschossenen Bilder und die vielfältigen Eindrücke müssen Verstand und Seele erst einmal sortieren. Auf jeden Fall haben wir geschworen: Wir kommen bald wieder! Gibt es ein besseres Kompliment an den Oman, seine Menschen und seine Kultur …?

Danke und Auf Wiedersehen – šukran mai alslama

Text: Michael Iwanowski
Fotos & Video: Ursula und Michael Iwanowski

Hier gehts zum Teil1 und Teil 2 der Reise.

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