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Auf den Spuren der letzten Spitzmaulnashörner – Rhino Tracking in Namibia

Der Wecker klingelt. Es ist 5 Uhr und noch immer dunkel in unserer Lodge. Seit gestern haben wir hier ein Stromproblem, das uns aber nicht kümmerte. Das Kerzenlicht zum Abendessen fanden wir sogar recht romantisch. Nur gerade merke ich, wie schwierig es ist, sich mit Stirnlampe fertigzumachen. Mit etwas Improvisation lässt sich alles bewältigen. Also ab zum Frühstück.
Am heutigen Tage steht etwas ganz Besonderes auf dem Programm – Rhino Tracking. Wir suchen die seltenen und fast ausgestorbenen Spitzmaulnashörner – auch Black Rhinos genannt und sind gespannt, was uns noch so vor die Linse kommt …

Abfahrt vor Tagesanbruch

06:00 Uhr: Heute Morgen sind wir eine kleine Gruppe von drei Frauen und Raik. Unser Guide begrüßt uns und stellt sich mit Ernest Hemingway (!) vor. Er und seine zwei Fährtenleser haben recht gute Laune. Zur Grootberg Lodge, wo wir übernachten, führt ein sehr steiler und holpriger Weg, der nur für 4×4-Fahrzeuge und Fahrer mit guten Nerven geeignet ist. Irgendwie sind wir gestern hier hochgekommen und nun müssen wir da wieder runter. Aber wofür haben wir unseren Fahrer. Uns Frauen stehen plötzlich die Fragezeichen auf der Stirn: „Sollen wir da wirklich wieder runterfahren?“
Den Männern wiederum ist die Coolness anzusehen – sie sind regelrecht angespornt und der Abenteurergeist ist geweckt. Kurze Zeit später biegen wir von der Hauptstraße ab. Jetzt geht es los: durch grüne Wälder, über teils ausgetrocknete Flussbetten und vorbei an den Überresten verwesender Wildtiere. Auf dem Boden liegt Dung von Elefanten. Ob wir die heute auch noch zu Gesicht bekommen? Es wird langsam hell und in der Ferne sieht man die ersten Giraffenköpfe aus den Baumwipfeln ragen.

Auf einem Berg machen wir halt. Unsere beiden „Schnüffelhunde“ verlassen das Auto. Mit dem Fernglas suchen sie nach Nashörnern oder deren Spuren die Ferne ab. Ernest zaubert aus einem abgestorbenen Baumstumpf ein Oryx-Horn hervor und reicht es uns zum Begutachten. Wir nutzen die Zeit, um uns die Beine zu vertreten. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir nicht, dass die Fahrt noch spannender werden würde. Die beiden Spurenleser setzen ihren Weg zu Fuß fort.

Derweil erkunden wir die Landschaft mit dem Auto und machen hier und da einen Stopp, um nach anderen Tieren Ausschau zu halten. Ernest erklärt uns die verschiedenen Hinterlassenschaften und Fußabdrücke der Wildtiere. Einige Zeit später erhalten wir dann über Funk die Nachricht, dass die Spuremleser eine frische Fährte gefunden und die Verfolgung aufgenommen haben. Wir versuchen, die beiden Männer irgendwo im Nirgendwo wiederzufinden. Überall Buschland und mittendrin unsere gut in Safarikleidung getarnte Suchmannschaft … Na toll.

Mit Fernglas und Teleobjektiv sitzen wir in unserem Fahrzeug und halten Ausschau nach den beiden. „Da sind sie. Oh Mist, jetzt hab‘ ich sie verloren“, kommt es von der hinteren Bank.
Eine Viertelstunde später können wir sie ausmachen und fahren mit dem Auto hinterher. Immer wieder müssen wir stoppen und den Motor abstellen, damit wir uns nicht gleich verraten. Wir folgen den beiden immer weiter. Mittlerweile stellen wir fest, dass wohl auch ein Löwe den Weg gewählt hat. Seine Spuren sind zu erkennen – er lässt sich aber noch nicht blicken.
Das Buschland wird dichter und der Weg gleicht einem Acker. Unsere Körper schwingen im Takt der Stoßstange. Wir durchkreuzen ein ausgetrocknetes Flussbett mit Steinen so groß wie Fußbälle und müssen immer wieder das Auto verlassen, um den Fahrer die anspruchsvolle Strecke ohne Ballast befahren zu lassen. Der Toyata Land Cruiser schnurrt wie ein Kätzchen und schaukelt sich langsam über das Geröll, bis wir plötzlich nach einem harten Schlag auf einem der Felsen festhängen. Alle Mann raus aus dem Auto und aufbocken. Nachdem wir die Steine weggeräumt haben, geht die Fahrt weiter.

Wir wollten Abenteuer, nun haben wir Abenteuer. Es ist mittlerweile schon gegen zwölf, aber wir haben noch immer nicht die Hoffnung verloren, dass wir ein Nashorn finden werden.
Wieder eine halbe Stunde später dürfen wir noch einmal das Auto verlassen. Nun wird es aber spannend. Wir folgen im Gänsemarsch querfeldein unseren Spurenlesern. Auf einer Anhöhe halten wir an. Etwa 50 Meter vor uns soll das Tier im Gebüsch liegen und schlafen. Den Blick geschärft und das Tele aufgeschnallt, kann ich den grauen Koloss vage erkennen. Es scheint, als wären wir schon längst entlarvt. Mit einem Ruck steht die Dame auf. Stück für Stück schiebt sich das Baby an ihrer Seite vorbei und gibt uns den Blick frei. Mein Puls steigt. „Sie hat ein Baby. Falls sie auf uns zu rennt, dürft ihr euch nicht hektisch bewegen. Bitte geht ganz langsam hinter den Busch“, gibt unser Guide ganz leise seine Anweisungen. Naja, beruhigend ist diese Aussage nicht unbedingt. Vor Allem wenn man durch den Sucher der Kamera erkennt, dass der Blick des Tieres voll auf unsere Gruppe gerichtet ist. Sie setzt einen Schritt nach vorne. Und jetzt? Doch dann dreht sie abrupt um und sucht mit ihrem Jungen schnellen Schrittes das Weite. Sie stoppt, blickt zurück und setzt ihre Flucht fort. Was für ein Erlebnis!

 

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Texte: Evelyne Trösch
Fotos: Raik Krotofil

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