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Tonga Soa Madagaskar! Eine Reise dorthin, wo der Pfeffer wächst

„Madagaskar“ – schon während meiner Kindheit war der Name allein der Inbegriff von Abenteuer, exotischen Tieren und blutrünstigen Piraten. Hinzu kommt die Abgeschiedenheit der Insel vor der Küste Afrikas im Indischen Ozean, die die Fantasien um Ahnenkulte, Tierlegenden und Fady noch reichlich steigern lässt. Madagaskar ist der zweitgrößte Inselstaat der Welt und wird auch gern als sechster Kontinent bezeichnet. Seine Isoliertheit – „da, wo der Pfeffer wächst“ – bescherte der Insel, eine einzigartig reiche endemisch Flora und Fauna …

Drei Wochen sind wir einmal quer über die Insel gefahren und die einmaligen Begegnungen mit den Menschen und Tieren werden uns wohl immer in Erinnerung bleiben.
Ein Reisebericht von Claudia Heinrich im Mai 2018.

Antananarivo, die Hauptstadt Madagaskars

Unsere Reise startet klassisch in der Hauptstadt mit dem unaussprechlichen Namen ANTANANARIVO. Eine Liebe zu dem Vokal A scheint in diesem Land zum Kulturgut zu gehören, in den folgenden Tagen kommen wir noch vorbei an: Andasibe, Analamazaotra, Akanin’Ny Nofy und Antsirabe, um nur einige der wohlklingenden Ortschaften zu nennen.

Tana – so kürzen die Einheimischen den Namen der 2 Millionen-Metropole ab – ist eine typische afrikanische Großstadt: Wuselig, laut und geruchsintensiv, allerdings, wie ganz Madagaskar, mit asiatischen und europäischen Einflüssen. Die wechselvolle Kolonialvergangenheit ist spürbar. Rund um den Lac Anosy gruppieren sich die schöneren Viertel.
Einen Eindruck von der bewegten Geschichte des Landes kann man bei einem Besuch des Königshügels von Ambohimanga bekommen. Der „Blaue Hügel“ gilt auch als kulturelles und spirituelles Zentrum des Landes und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ambohimanga ist ein heiliger Ort, hier gelten zahlreiche Fady. Unter anderem ist es verboten, Schweinefleisch und Salz herzubringen. Früher war er für Europäer sogar gänzlich tabu.

Fady sind religiöse Verbote, die bestimmte Orte oder Handlungsweisen betreffen. Frauen ist das Betreten vieler Orte untersagt, besonders während der Menstruation. Fady ist es aber auch, auf geradem Wege von einem Grab ins Dorf zu gehen: Der Tod findet sonst allzu leicht den Weg in den Ort. Wer ein Fady bricht, lädt damit schwere Schuld auf sich, die er – wenn überhaupt – nur durch ein Opfer von sich waschen kann! In aller Regel wird man den Reisenden vor Betreten einer interessanten Örtlichkeit auf die geltenden Verbote hinweisen und man muss nicht befürchten, ein Sakrileg zu begehen. Hat man sich dennoch eines Vergehens schuldig gemacht, ist dies meist in Form eines Opfers auszugleichen. Die Höhe richtet sich nach der Schwere der Schuld, bei Reisenden reicht oftmals eine Flasche Schnaps für die Ahnen (und denjenigen, der auf das Sakrileg aufmerksam geworden ist …). Seltsamerweise wird der Begriff „Fady“ selbst von kaum einem Madagassen je in den Mund genommen. Man redet für gewöhnlich einfach von einem Tabu. Der Begriff „Fady“ scheint gewissermaßen selbst fady zu sein. Auch wenn man persönlich den Glauben an derartige Verbote für Hokuspokus hält, sollte man sich dennoch daran halten – schon allein aus Respekt vor den Geboten und Traditionen der Einheimischen. (Foto: Grabstätte der Sakalava) Aus Iwanowski’s Reiseführer Madagaskar

Lemuren – „Schattengeister der Verstorbenen“

Doch uns zieht es zu einem der Highlights einer Madagaskar-Reise und wir besuchen den Lemurenpark nahe der Hauptstadt.

Hier leben verletzte und wieder aufgepäppelte Tiere und wir bekommen einen Eindruck davon, wer uns so in den nächsten Wochen nicht mehr von der Schulter, dem Frühstückstisch oder der Linse weichen wird. Ob Makis, Kattas oder Sifakas, etwa 100 Lemurenarten leben auf der Insel und jede einzelne ruft beim Betrachter ein unausweichliches „Ohhh, wie im Film“ hervor.

Andasibe und der größte Lemur der Welt

Richtung Osten verlassen wir den Ballungsraum der Metropole und fahren vorbei an Feldern mit roter Erde und der madagassischen Landbevölkerung.

Unser Ziel ist das Reservat von Analamazaotra mit dem größten Lemuren der Welt – dem Indri.

Allerdings hat dieser auch die größte Klappe von allen, sodass es nicht schwer ist, ihn in den Baumwipfeln zu finden. Auch der kleinste Vertreter der Lemuren, der nachtaktive Mausmaki, ist in diesem Park heimisch.

Sehr viel mehr Körperkontakt mit den agilen Wesen hat man auf der Lemureninsel im Privatreservat Vakona. Ok, ihre Liebe zu Bananen-Geschenken ist hier größer als die eigentliche Gastfreundschaft, aber es gibt Schlimmeres als korrupte Halbaffen.
Mit Bananenbrei in Haaren und Augen verlassen wir mit einem nicht mehr endenden Grinsen diese Insel und setzen wieder mit dem kleinen Kanu, mit dem wir gekommen sind, auf die andere Seite des ca. 3 m breiten Wassergrabens hinüber. Die pelzigen Insulaner schwimmen anscheinend nicht allzu gern.

Akanin’ny Nofy und das Aye-Aye

Von Manambato geht es auf dem Pangalanes-Kanal in das Privatreservat „Le Palmarium“. Ein idyllischer Ort für Mensch und Tier.

Ein Abendspaziergang soll uns zu dem berühmten – wenn auch nicht besonders attraktiven – Fingertier Aye-Aye bringen. Wir warten ca. 40 Minuten gespannt im Dunkeln vor einer als „Lockvogel“ aufgehängten Kokosnuss. Da wir nicht wissen, wie groß so ein Tier eigentlich ist und aus welcher Richtung es, wenn überhaupt, kommen würde, kann man einen gewissen Gruselfaktor mit integrierter Gänsehaut bei diesem Erlebnis nicht ganz leugnen. Endlich raschelt es im Geäst und ein Nagen verrät, die Mahlzeit wurde gefunden und angenommen. Mit seinen langen Fingern löffelt das Aye-Aye unbeirrt vom Scheinwerferlicht sein Nachtmahl.

Nach dem Abenteuer mit den nachtaktiven Kandidaten ist die Tagesschicht an der Reihe. Auf dem privaten Anwesen leben die Besucher und ihre vierbeinigen Verwandten auf engstem Raum … auch wenn das Frühstücksbuffet oft nicht für alle zu reichen scheint.

Flussfahrt auf dem Tsiribihina

Nach einem kleinen (nicht ganz unwillkommenen) Umweg auf die Trauminsel Sainte Marie, geht es über Antsirabe nach Miandrivazo, wo schon das nächste Abenteuer wartet – die Bootsfahrt auf dem Tsiribihina. Langsam ziehen die malerische Flusslandschaft und das Leben der Einheimischen an einem vorbei. Genug Zeit, die vielen Eindrücke für sich zu verarbeiten und sich auf das noch Folgende vorzubereiten.

Die Übernachtung im Zelt auf einer Sandbank und das morgendliche Waschritual im Fluss, mit vielen kleinen Zuschauern an Land und etwas größeren im Wasser gehören dazu. Von letzteren haben wir zum Glück erst nach einem ausgiebigen Bad erfahren. Nach drei Tagen gemächlichen Dahinplätscherns heißt es wieder runter vom Kahn, rein ins Auto…

Wanderung durch die Tsingy von Bemaraha

… und rauf auf die spitzen Kalksteinformationen der Tsingy.

Die Begegnung mit den anmutigen „Dancing Sifaka“ unterwegs lassen uns schnell über die Strapazen in der Mittagshitze hinweglächeln.

Von Belo sur Tsiribinha geht es weiter in Richtung Morondava. Viele Straßen in Madagaskar fordern alles von Vehikel und Fahrer. Oft müssen Flüsse überquert werden. Dafür entschädigen die unglaublich freundlichen Menschen und die fantastische Landschaft.

Immer näher kommen wir dem gefühlten Höhepunkt einer jeden Madagaskar-Reise: Der Allee der Baobabs bei Morondava.

Baumriesen in Reih und Glied – Allee der Baobabs

Am Wegesrand sieht man nun immer mehr Baobabs. Majestätisch wirken sie mit ihren gewaltigen Stämmen, unzerstörbar. Zum Glück, denn oft stehen hier die alten Riesen noch als einzige „Überlebende“ der leider immer noch praktizierten Brandrodungen in diesem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört. Zwar ist der Tourismus auf dem Vormarsch und viele Madagassen haben hier auch schon eine Chance für sich und ihre Zukunft entdeckt, aber ein Großteil ist auf landwirtschaftliche Fläche angewiesen. Hoffentlich findet schnell ein Umdenken statt und man erkennt, dass die Gäste nur kommen, wenn dieses tolle Land auch sein wertvollstes Gut, seine einmalig spektakuläre Natur, erhält. Der Anfang ist gemacht.

Wir erreichen die berühmte Allee. Mehre Baobabs stehen hier in Reih und Glied und warten mit den Schaulustigen auf den Sonnenuntergang, um sich von ihrer schönsten Seite zu präsentieren. Nicht zu viel versprochen. Die Szene könnte aus „Der König der Löwen“ sein. Die Silhouetten der knorrigen Riesen räkeln sich vor der untergehenden Sonne.

21 Tage waren wir per Flugzeug, Auto, Fähre, Boot und Rikscha unterwegs, haben freundliche Menschen, lustige Lemuren und einen einmaligen Naturraum erlebt und ich kann mit Gewissheit sagen, dass meine Kindheitsvorstellungen erfüllt worden sind. Naja vielleicht bis auf die Sache mit den Piraten, dafür stimmte das mit der Buddel voll Rum allemal.
Tonga Soa! Madagaskar … ich komme bestimmt wieder

Fotos, Filme und Text: Claudia Heinrich (PR, Vertrieb und Marketing, Iwanowski’s Reisebuchverlag)

Sie interessieren sich für eine Reise nach Madagaskar? Das Team von Iwanowski’s Reisen hilft Ihnen gern bei Ihrer Reiseplanung.

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