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Auf Jagd mit den Hadzabe am Eyasisee in Tansania

Die Hadzabe, auch als Hadza bekannt, sind eines der letzten Jäger-und-Sammler-Völker Afrikas. Seit gut 50.000 Jahren ziehen sie als Nomaden durch die Region um den Eyasisee in Tansania, im Rhythmus der Jahreszeiten und abhängig von ihren Bedürfnissen. Aber die Geschichte der Hadzabe ist ein ständiger Rückzugskampf, der schon mit der zunehmenden Einwanderung von Bantu-Stämmen vor gut 3.000 Jahren begann. In der Moderne führten die Ausweitung von Landwirtschaft und Schutzgebieten dazu, dass der Lebensraum der Hadzabe immer weiter eingeschränkt wurde.

Ein eigenes Volk

Lange Zeit wurden die Hadzabe den Khoisan zugeordnet, die zu den ältesten Völkern Afrikas zählen. Ähnlich wie die Sprache der sogenannten Buschmänner der Kalahari umfasst auch ihre Sprache viele Klicklaute. Genetische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass die Hadzabe eine eigene Gruppe ohne verwandtschaftliche Beziehungen zu anderen Völkern sind.

Die Hadzabe in der „modernen Gesellschaft“

Ähnlich wie bei den San im Südlichen Afrika versuchte die tansanische Regierung in den 1950er-Jahren, die Hadzabe in die „moderne Gesellschaft“ zu integrieren, jedoch ohne Erfolg. Ein eigens für diesen Zweck gebautes Dorf mit Häusern, einer Schule und einem kleinen Krankenhaus wurde nach kurzer Zeit wieder aufgegeben und verlassen – sehr zum Unmut der Regierung. Während der folgenden Jahre wurden die Hadzabe marginalisiert und kaum ernst genommen. Es dauerte bis ins 21. Jahrhundert, bis ein Umdenken stattfand – auf beiden Seiten. Die tansanische Regierung erkannte das Recht auf Selbstbestimmung der Hadzabe, deren Zahl auf etwa 1.200 Menschen geschätzt wird, an und übertrug ihnen ein Gebiet von 1.000 km² als exklusiven Lebensraum. Gleichzeitig öffneten sich einige kleine Gruppen der Hadzabe Besuchern. Seitdem bieten sie Touristen die Möglichkeit, sie auf ihren Jagdausflügen zu begleiten.

Jagd mit Pfeil und Bogen

Ein solcher Jagdausflug findet in den frühen Morgenstunden statt. Vor Tagesanbruch geht es in Begleitung eines lokalen Guides, der auch als Dolmetscher fungiert, zu dem Aufenthaltsort der Hadzabe. Nach einer kurzen Begrüßung beginnt der Ausflug. Dabei folgt man den Jägern in einigem Abstand, um deren Jagderfolg nicht gefährden. Meist sind es vier bis sechs Männer, die mit Pfeil und Bogen Jagd auf nahezu alles Lebendige machen. Gejagt wird immer für den konkreten Bedarf, bei den Hadzabe gibt es keinerlei Vorratshaltung. Von Singvögeln bis Giraffen steht alles auf der Speisekarte, als besondere Delikatesse gelten Paviane. Nur Reptilien meiden die Hadzabe weitestgehend.

Ein Erlebnis für die Gäste

Das Tempo während einer solchen Jagd ist überraschend hoch und im dichten Busch ist es nicht immer einfach, den leichtfüßigen Hadzabe zu folgen. Gelegentlich wird die Jagd unterbrochen, entweder um sich mit kleinen Beutestücken oder unterwegs aufgestöbertem Wildhonig zu stärken oder um einen Joint zu rauchen. Marihuana hat Tradition bei den Hadzabe. Die Hadzabe rauchen den ganzen Tag über enorme Mengen Gras und das schon von Kindheit an. Der Jagdausflug dauert meist zwei bis drei Stunden, abhängig von der Beute. Für gewöhnlich bieten die Hadzabe ihren Gästen an, von der Beute zu probieren. Aus Respekt sollte man diese Einladung annehmen. Beim Angebot zum gemeinsamen Marihuanakonsum muss man dieser Höflichkeitsregel nicht unbedingt Folge leisten.

Einblick in das tägliche Leben

Nach der Rückkehr in das temporäre Dorf gibt es die Möglichkeit zur Interaktion mit den Hadzabe. Der lokale Guide erklärt, welche Arten von Tänzen es gibt, welche Tätigkeiten außer der Jagd verrichtet werden und welche Rolle die Frauen der Hadzabe spielen. Der interessanteste Teil ist aber zweifellos die Jagd mit einem der ältesten Völker Afrikas.

100 weitere Highlights von Tansania

Dieser Exkurs stammt aus Iwanowski’s 101 Tansania – Geheimtipps und Top Ziele. Der Autor Andreas Wölk stellt in diesem Reiseführer die schönsten Reiseziele und Lodges in 101 doppelseitigen Farbporträts vor, die durch praktische Tipps in Info-Kästen ergänzt werden.
In sechs Kapiteln beschreibt er alles Wissenswerte zu den Themen Natur & Landschaft, Tierwelt & Nationalparks, Menschen, Geschichte & Kultur, Safaris & Rundreisen sowie Camps & Lodges, die den Schwerpunkt des Buches bilden.

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Tel.: 02133/26030

© Text: Auszug aus 101 Tansania von Andreas Wölk, Foto: Christian Nowak (Titelbild), Tanja Köhler

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