{"id":1077,"date":"2007-01-10T09:34:00","date_gmt":"2007-01-10T07:34:00","guid":{"rendered":""},"modified":"2019-05-22T14:12:13","modified_gmt":"2019-05-22T12:12:13","slug":"fahrradtour_windhoek_swakopmund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/fahrradtour_windhoek_swakopmund\/","title":{"rendered":"Fahrradtour Windhoek &#8211; Swakopmund"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: medium;\"><b>Namibia einmal anders &#8211; mit dem Rad und alleine<br \/>\nReisebericht \u00fcber eine Fahrradreise von Windhoek nach Swakopmund im August 2006<\/b><\/span><\/p>\n<p>von Andreas Maiberger<\/p>\n<p>&#8220;Was machst Du f\u00fcr Sachen?&#8221; und &#8220;Du musst wohl v\u00f6llig verr\u00fcckt sein&#8221; trifft im Kern die Stimmungsbilder meiner Freunde und Familie als ich meinen Entschluss bekannt gab, <i><b>ganz alleine und ohne Begleitfahrzeug mit dem Fahrrad von Windhoek nach Swakopmund zu fahren.<\/b><\/i> Da ich das Land seit 1999 regelm\u00e4ssig bereise und durch meine berufliche T\u00e4tigkeit im Tourismus viele Ber\u00fchrungspunkte mit Namibia habe, hatte ich in der Vorbereitung auf diese etwas andere Reise auch nur kleinere Bedenken, von der auf 1650 Meter hoch gelegenen Hauptsadt Namibias in das gerne als s\u00fcdlichste Nordseebad Deutschlands beschriebenen Swakopmund &#8220;zu rollen&#8221;.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat es einer Kraftanstrengung im Vorfeld bedurft, um am Samstag, den 12.August 2006 morgens um 07.30 fertig gepackt meinen Drahtesel zu besteigen, der mich in einer Woche und nach knapp <b>420km<\/b> bis zum k\u00fchlen Atlantik bringen sollte. Allerdings kann man bei keiner Reise alles vorhersehen und entsprechend daf\u00fcr planen, aber man sollte wissen, auf was man sich einl\u00e4sst. Da ich plante, abseits der Teerstrasse zu fahren, ergab sich die Notwendigkeit, sich im Falle eines gesundheitlichen oder technischen Defektes selbst helfen zu k\u00f6nnen. Neben der Erfahrung aus vorhergehenden Radtouren bedarf es guter k\u00f6rperlicher Fitness sowie dem Glauben an das eigene Selbsthilfe- und Improvisationstalent.<\/p>\n<p>Die oft beschriebenen Fly-In Safaris, Pirschfahrten in den vielen Nationalparks und privaten Gameparks, \u00dcbernachtungen in luxuri\u00f6sen Lodges, Quadbiking und nicht zuletzt das so schmackhafte Essen nach dem Sundowner habe ich schon oft in Namibia erleben d\u00fcrfen. Diesmal sollte alles anders sein, und es sollte eine Reise werden, die mich zu den Urspr\u00fcngen Namibias zur\u00fcckbringen sollte: ich erwartete neben vielf\u00e4ltigen landschaftlichen Eindr\u00fccken einer wilden Natur wenig Zivilisation und viel Zeit f\u00fcr mich selbst, interessante Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen und baute auf die schon oft erfahrene Gastfreundschaft der Einwohner unterwegs, die mir vorab auch ein gewisses Mass an Sicherheit versprach. Man muss verr\u00fcckt sein, dies alles nicht erleben zu wollen, wenn man eine Reise mit dem Fahrrad in diesem Land unternehmen m\u00f6chte.<\/p>\n<div class=\"dark-box\">Hinweis von der afrika.de-Redaktion: Auf unserer Seite mit <a href=\"https:\/\/www.afrika.de\/namibia\/reiseberichte-namibia\/\" data-wpel-link=\"exclude\">Reiseberichten aus Namibia<\/a> erhalten Sie weitere Eindr\u00fccke des Landes.<\/div>\n<p>Zu Hause in Deutschland musste ich zun\u00e4chst mein robustes 26 Zoll <b>Mountainbike <\/b>der Marke Ghost auf Vordermann bringen, neue Bremsen, Schl\u00e4uche und Reifen. Wegen der zu erwartenden Schotterpisten und Dornen ist der Schwalbe Marathon XR das Mass aller Dinge, um m\u00f6glichst ohne grosse Pannen davon zu kommen. Dazu Ersatzschlauch und -Mantel sowie Flickzeug und Werkzeugtasche. Hinten benutze ich die sogenannten &#8220;back-roller&#8221; von Ortlieb, die ein Packvolumen von 40 Litern besitzen, sowie eine weitere Tasche mit 30 Litern Volumen, f\u00fcr die das Zelt, eine Bodenplane, mein Kocher, Bettmatte und Schlafsack vorgesehen waren. Eine Lenkertasche mit dem wichtigsten Kleinkram wie z.B. Kartenmaterial, Schreibstift, Sonnencreme, Werkzeug, Traubenzucker usw. geh\u00f6rt ebenso zur Standard Ausr\u00fcstung. Das richtige Kartenmaterial ist zur Absch\u00e4tzung von Entfernungen und \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten extrem wichtig. Ich nutze topographische Karten im Massstab 1:250,000, die sogar Farmh\u00e4user und Grenzl\u00e4ufe verzeichnet(www.namibiana.de) . In Windhoek selbst kam dann noch Verpflegung in Form von Pasta, Tomatensauce, Brot, ein Glas Nutella, Fr\u00fcchte, Biltong und 10 Liter in Wasserflaschen dazu. Insgesamt betrug mein zu transportierendes Gewicht fast 40Kg. Da es zwischen Windhoek und Swakopmund nun leider keinen Shop oder Tankstelle gibt, kann man sich nicht auf vorbeifahrende Touristen oder Farmer verlassen, die einen durchf\u00fcttern<\/p>\n<p>Die <b>Route <\/b>sollte mich \u00fcber die anf\u00e4nglich geteerte C28 zum Abzweig auf die D1412 in den Kuiseb f\u00fchren, danach auf die D1982 den Us-Hoogte Pass hinunter, an Farm Niedersachsen vorbei und auf direktem Weg in den Namib Naukluft Park, wieder entlang der C28 mit einem Stop an der Blutkuppe und Tinkas Gebiet.<\/p>\n<p>M\u00fchelos klettere ich die ersten 25Km auf Teerpad dem Daan-Viljoen Park entgegen, als mir pl\u00f6tzlich und unerwartet der hintere Gep\u00e4cktr\u00e4ger abreisst. Alles Gep\u00e4ck liegt auf der Strasse, worauf ich nun gar nicht vorbereitet war. Gl\u00fccklicherweise ist eine Farm in der N\u00e4he, bei der mir umgehend und unkompliziert geholfen wird. 2 neue Schrauben fixieren den Gep\u00e4cktr\u00e4ger, der ab diesem Zeitpunkt wieder einwandfrei h\u00e4lt. Der Farmer war \u00fcber das viele Gep\u00e4ck und mein Vorhaben erstaunt, gab mir aber seine besten W\u00fcnsche mit auf die Pad.<\/p>\n<p>Dies taten auch die Arbeiter auf einem &#8220;Grader&#8221;, der die Strasse vor mir glatt b\u00fcgelte. Ich bin auf Schotter angekommen und trotz vieler gefahrener Schotterpistenkilometer in Namibia erstaunt, wie sehr man sich anstrengen muss, um die Balance auf dem Rad zu halten. Schnell ist man im Sand versunken oder h\u00e4lt beim Bergabfahren den Lenker verkrampft fest, um die von Autofahrern fest gefahrene Spur nicht zu verlassen. Ein Fahrradhelm ist Pflicht in Namibia und sollte auf Grund der gegebenen Sturzgefahr, speziell beim Bergabfahren stets getragen werden. Schnell geht es bergab, nur um unten angekommen wieder dieselbe Wegstrecke berghoch zu fahren. Das strengt an! Gerne erinnere ich mich beim Autofahren an jene &#8220;dips&#8221;, in denen man dann so richtig Gas gibt, um wieder mit Schwung die n\u00e4chste Anh\u00f6he zu erklimmen. Da man es bergab mit dem Rad nicht wirklich richtig laufen lassen kann, hat man auch weniger Schwung und schaut betr\u00fcbt auf den n\u00e4chsten Gipfel, die schier nicht enden wollen. Oben im kleinsten Gang oder gar schiebend angekommen, geht es fr\u00f6hlich wieder runter, wohl wissend, ich muss auch wieder hoch. Diese Pisten sind eine Herausforderung f\u00fcr Mensch und Material. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit betr\u00e4gt auf diesen Pisten maximal 10 bis 15 Km\/h, oft darunter, wenn der Untergrund tiefer wird und man trotz Runterschalten stecken bleibt und sich erst wieder neu herausarbeiten muss.<\/p>\n<p>So ergeht es mir die ersten 2 Tage, bis ich endlich den <b>Us-Hoogte Pass<\/b> erreiche, der mit 12Km Abfahrt gigantisch lang ist. Ein Traum f\u00fcr jeden Radfahrer. Hier f\u00e4llt es leicht, Kilometer zu machen. Die Abfahrt macht auch deswegen soviel Spass, weil man in einer bezauberten Landschaft fast ganz f\u00fcr sich alleine ist. Gerademal 5 Autos sehe ich an diesem Tag, sonst nichts ausser ein paar V\u00f6geln, Springb\u00f6cke, 2 Kudus, Rinder- und Ziegenherden. Dieser Teil Namibias ist Farmland, aber mit den wachsamen Augen eines Radfahrers sieht man auch die kleinen Dinge am Wegesrand: sch\u00f6ne Blumen, die nach der starken Regenzeit besonders sch\u00f6n zu bl\u00fchen scheinen, Schakale, die am Wegesrand ihre Ohren spitzen und mich genauestens, aber in sicherer Entfernung beobachten. Auch zwei Schlangen sind mir \u00fcber den Weg gelaufen, sich ger\u00e4uschvoll ins hohe Gras rettend. Im Naukluft Park gibt es sp\u00e4ter sogar ein Wettrennen mit einem Warzenschwein, das nach 3Km in dem Gef\u00fchl abdreht: zum ersten Mal schneller als dieses Auto mit 2 R\u00e4dern! Dann die Begegnung mit einem Chamaeleon, das sich in meinem Reifen festklammert und dessen schwarz-graue Mantelfarbe annimmt. Kleinigkeiten, \u00fcber die man sich sehr freuen kann, vor allem in dem Bewusstsein, dass jeder andere Tourist auf 4 R\u00e4dern daran vorbeigefahren w\u00e4re. Viele Kleintiere und Insekten kann man auch h\u00f6ren, wenn man die Ohren an der Strasse hat. Man kann sofort anhalten, sich eine kleine Trinkpause g\u00f6nnen und dabei die Umgebung in Ruhe bestaunen, wof\u00fcr man sich allzu oft auf der Fahrt von Unterkunft zu Unterkunft keine Zeit nimmt.<\/p>\n<p><b>Im Tourismus wird mit dem Slogan geworben: &#8220;Stay a little bit longer&#8221;, vielleicht sollte man erg\u00e4nzen: &#8220;Do it a little bit slower&#8221;? <\/b>Die Attraktionen kommen von ganz alleine, das Land bietet es, man muss es nur selbst mit etwas Zeit aufsp\u00fcren. Das Gef\u00fchl, mit sich alleine zu sein, stellt sich schon sehr schnell ein, aber es ist ein Genuss, dies in dieser grandiosen Weite und Leere, die Namibia zu bieten hat, selbst zu erleben. Unterbrochen wird meine Einsamkeit lediglich von entlegenen Farmh\u00e4usern, die ich auf meinem Weg passiere und die mir eine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit bieten, auch wenn der Farmer nicht zu Hause ist. So kommt es, dass ich die ersten 2 N\u00e4chte in der N\u00e4he von Farmh\u00e4usern verbringe, dort auch Wasser zum Nachf\u00fcllen meiner Vorr\u00e4te vorfinde, aber alleine, bzw. mit den dort arbeitenden Farmhelfern bleibe. Die Nacht kommt schnell. Ist es um 15Uhr mittags noch recht heiss, werden ab dann die Schatten merklich l\u00e4nger, bis es gegen 18Uhr im Nu stockfinster wird. Bis dahin muss ich meine Bleibe f\u00fcr die Nacht gefunden haben und fertig f\u00fcr die Nacht sein. Durch das st\u00e4ndige Auf und Ab im Khomas Hochland liege ich mit Einbruch der Dunkelheit in meinem Zelt und schlafe durch bis zum ersten Sonnenlicht am n\u00e4chsten Morgen. So lange schlafe ich zu Hause normalerweise nicht, schon gar nicht so tief und fest.<\/p>\n<p>Am dritten Tag, nach einem zerm\u00fcrbendem Ritt \u00fcber mehrere Berge und durch das <b>Tal des Kuiseb <\/b>auf der D1412, entzerrt sich das Landschaftsbild endlich und geht in ein eher gewelltes Relief \u00fcber, Balsam f\u00fcr die geschundene Radfahrerseele. In diesem Abschnitt liegt die <b>G\u00e4stefarm Niedersachsen,<\/b> auf der ich die n\u00e4chsten 2 N\u00e4chte verbringe und mich von den Strapazen des Khomas Hochlandes v\u00f6llig erhole. Hier ist man Familienmitglied und kann so richtig die Seele baumeln lassen, wenn man nicht wie ich an allen Aktivit\u00e4ten des Farmlebens teilnehmen m\u00f6chte. So verladen wir erstmal einen Pick-Up voll L\u00e4mmer von der einen Ecke der Farm in die andere. Niedersachsen ist 18.000 Hektar gross. Die Fahrt \u00fcber das leicht h\u00fcgelige Farmland im hohen von der Sonne goldgelb beschienenen Gras ist ein Traum, den man wirklich nur abseits der ausgefahrenen Pisten erleben kann. Ich fahre mit dem Farmer Stunden \u00fcber das Gel\u00e4nde und bin einfach nur noch gl\u00fccklich, hier zu sein.<\/p>\n<p>Anderntags helfe ich beim Abmontieren eines Windrades, das in der Vergangenheit f\u00fcr die F\u00f6rderung von Wasser genutzt wurde, aber leider kein Wasser mehr zu Tage bringt. Es ist die Arbeit eines ganzen Tages, schweisstreibend in der Hitze eines zu dieser Jahreszeit immer wolkenlosen Himmels. Ich nutze die Zeit, um die Umgebung etwas zu erkunden. Hier gibt es kleine Trockenflusst\u00e4ler mit bl\u00fchenden Anab\u00e4umen, schneeweisse Quarzfelsen, die sich herrlich gegen den m\u00e4chtigen Gamsberg im Hintergrund abheben oder das &#8220;S\u00fcdwester-Enzian&#8221;, das nach dem reichlichen Regen in diesem Jahr auch in voller Bl\u00fcte steht.<\/p>\n<p>Zum Abendbrot ist der Tisch reichlich gedeckt, hier wird sicher niemand hungrig gehen m\u00fcssen, aber das ger\u00e4ucherte Kudufleisch ist eine Erw\u00e4hnung wert, sicherlich das beste, was ich an Trocken- oder R\u00e4uscherfleisch je geniessen durfte. Ein befreundetes Ehepaar der Farmbesitzer hat es aus Windhoek mitgebracht, und eine Unmenge an alten S\u00fcdwester Geschichten, die schier unglaublich sind und einen tollen Unterhaltungswert haben. Das gibts nicht im H\u00f6rbuchhandel, aber bleibt als einmaliges Erlebnis in meiner Erinnerung haften. Auf der Farm lerne ich auch Rinus kennen, der mich spontan zu einem Aufenthalt auf seiner Farm Ruimte, nur 35Km entfernt, einl\u00e4dt. Diese Gastfreundschaft ist sprichw\u00f6rtlich. So mache ich mich am n\u00e4chsten Tag zu einer Kurzetappe zu dieser Farm auf, die mit 40,000 Hektar Land direkt an den Namib Naukluft Park angrenzt. Die Gr\u00f6sse und Weite der Farm ist unglaublich, man kann gar nicht so weit schauen, bis man am Horizont die Berge der Grossen Randstufe und den Gamsberg(2351m) sieht, wo die Farm irgendwo im Nichts endet. Ich gehe mit Rinus und seiner reizenden Ehefrau Reni auf Erkundungsfahrt und sehe Herden von Gemsb\u00f6cken oder Oryx-Antilopen, das Nationaltier Namibias, sehe Straussenv\u00f6gel mit ihrer K\u00fcken, Zebraherden, Rinder und Unmengen von Springb\u00f6cken, die himmelhochjauchzend in die Luft springen, um auf sich aufmerksam zu machen. Rinus hat auch einen Schafhirten angestellt, der nach den Schafen Ausschau h\u00e4lt und inmitten des Farmgel\u00e4ndes ein sehr d\u00fcrftiges, aber zufriedenes Leben f\u00fchrt. Ich denke, er muss noch einsamer sein als ein Radfahrer, der sich wenigstens fortbewegen kann, um Neues im Leben zu entdecken. Kilometerlang war die Fahrt zu diesem Hirten, genauso lange ist die R\u00fcckfahrt hinein in den r\u00f6tlichen Sonnenuntergang Namibias. Die Aasgeier auf den scheinbar toten B\u00e4umen geben gegen den sich verf\u00e4rbenden Himmel ein spektakul\u00e4res Bild ab, haben uns gl\u00fccklicherweise aber nicht auf ihrer Men\u00fckarte. Unsereins st\u00e4rkt sich am Abend bei einem traditionellen braii, das aus Lammfleisch und den k\u00f6stlichen Boerwors besteht, zur Spirale geformte Bratwurst. Die Reste ergaben mein Mittagsmahl am n\u00e4chsten Radltag. M\u00fcde von den Erlebnissen dieses Tages und nach der Reparatur meines einzigen Platten, den ich mir sozusagen direkt auf der Zufahrt zur Farm eingehandelt habe, gehe ich zu Bett.<\/p>\n<p>Fr\u00fch morgens verlasse ich nach einem herzhaften Fr\u00fchst\u00fcck mit selbstgebackenem Brot und frischen Eiern die Farm. Lange muss ich an die nette Aufnahme und das Angebot einer \u00dcbernachtung bei Rinus und Reni denken und freue mich \u00fcber diese unerwartete Gastlichkeit und Freundschaft. Trotz der Weite und Kargheit des Landes haben es diese Menschen verstanden, Vetrautheit und N\u00e4he Fremden gegen\u00fcber zu vermitteln. Rinus&#8217; Vater hatte uns am Vorabend auch besucht und klargemacht, dass ich vor der <b>Einfahrt zum Namib Naukluft Park <\/b>meine Wasservorr\u00e4te auff\u00fcllen muss, da es im Park und bis Swakopmund weder Wasserhahn noch Einkaufsm\u00f6glichkeit gibt. So hat er mir einen 20 Liter Kanister Wasser am Wegesrand belassen, den ich am n\u00e4chsten Tag nach gut 30Km an der Zufahrt zu seiner Farm auch vorfinde. Gl\u00fccklich \u00fcber diesen Zustand dusche ich meinen Kopf ab und f\u00fclle alle vorhandenen Trinkgef\u00e4sse auf, so dass ich guten Mutes auf gerader und leicht abfallender Strecke am sechsten Tag durch das Eingangstor zum Namib Naukluft Park radle.<\/p>\n<p>Wenn auch die N\u00e4chte um die 10 Grad Celsius recht k\u00fchl sind, so steht die Sonne um 10 Uhr schon fast im Zenit und brennt sehr intensiv. 30Grad Celsius werden es tags\u00fcber problemlos, allerdings ist diese Hitze leichter zu ertragen als bei uns in Deutschland, da die Luftfeuchte sehr gering ist. Am Anfang meiner Tour in Windhoek waren es gerade mal 5% Luftfeuchte! Das bedeutet zum einen wenig Schwitzen, obwohl man trotzdem viel Fl\u00fcssigkeit \u00fcber den K\u00f6rper verliert, zum anderen trocknen Nasenraum und Rachen im Nu aus, so dass man st\u00e4ndig trinkt. Eine Salbe gegen austrocknende Nasenschleimh\u00e4ute hilft. Ich trage eine lange, leichte Baumwollhose, haupts\u00e4chlich, um mich vor der Sonne zu sch\u00fctzen. Angefeuchtet bietet sie zudem einen k\u00fchlenden Effekt. Nur mein Gesicht und die freien Arme bekommen etwas Sonne ab. Hoher Lichtschutzfaktor sch\u00fctzt vor einem Sonnenbrand, den man sich sonst in ein paar Minuten eingefangen hat. Immer wieder habe ich auf dieser Tour meine Stops so eingeplant, dass ich entweder unter dem Schatten eines Baumes sass oder neben einem Bauwagen oder Schild, das etwas Schatten abwarf. Im Naukluft Park \u00e4ndert sich die Situation schlagartig, denn hier gibt es keinen Baum, keine grossen Schilder, nichts, was auch nur im geringsten vor der Sonne sch\u00fctzen w\u00fcrde. Das wissen auch die nervenden Fliegen, die sich zahllos an meinem Kopf festsetzen und keine Tabus kennen. Die C28 ist in vielen Teilen wie Wellblech, zum Radfahren \u00e4usserst unangenehm. Der Sattel sollte also gut gepolstert sein. Die Pad geht wie an der Schnur gezogen geradeaus und verschwindet erst am Horizont nach vielen Kilometern. Schwarze Punkte neben der Pad machen Hoffnung auf einen schattenwerfenden Baum, sie entpuppen sich aber als Gestr\u00fcpp oder Flechten, die mehr und mehr auftreten, je n\u00e4her man sich dem Feuchtigkeit spendenden Atlantik n\u00e4hert.<\/p>\n<p>Mein heutiges Ziel ist die <b>Blutkuppe,<\/b> ein rund abgeschliffener Granit-Inselberg, der seinen Namen der roten Verf\u00e4rbung bei Sonnenuntergang verdankt. Ich habe bereits in Windhoek ein Permit f\u00fcr den Aufenthalt im Namib Naukluft Park sowie f\u00fcr den Campingplatz an der Blutkuppe besorgt. Die Campingpl\u00e4tze liegen um den Berg verteilt, mit teils grandioser Aussicht in die Umgebung. Besteigt man den Berg zum Sonnenauf- oder -untergang bekommt man Namibia aus dem Bilderbuch serviert. Die Ausblicke sind unendlich, die Berge am Horizont f\u00e4rben sich rot, das Gras ist golden und einzelne Tiere sind auf Futtersuche. Naturliebhaber &#8211; was willst Du mehr? Kein Mensch zu sehen, nur Natur und ich. Die Sonne geht hinter dem Langen Heinrichberg unter und ein weiterer fabul\u00f6ser Radtag geht zu Ende. Ein Tag Ruhepause nutze ich, um die Umgebung der Blutkuppe mit dem Rad zu erkunden. Die als 4X4 ausgewiesene Pad zu den zwei Gr\u00e4bern der deutschen Schutztruppler am historischen Baiweg nehme ich mit Leichtigkeit, ich habe mein Gep\u00e4ck am Zeltplatz zur\u00fcckgelassen. Die Landschaft ist h\u00f6chst abwechslungsreich, es geht durch Ger\u00f6llfelder, vorbei an grossen Granitkugeln und durch sandige Flusst\u00e4ler. Als ich im Schatten eines windgesch\u00fctzten Felsenrund sitze und meine Tagebuchnotizen schreibe, mache ich Bekanntschaft mit zwei W\u00fcstenm\u00e4usen, die der nicht findet, der ohne Zeit und Musse reist.<\/p>\n<p><b>Das letzte Teilst\u00fcck von der Blutkuppe nach Swakopmund ist 124Km lang,<\/b> und ich schaffe es an einem einzigen Tag. Es ist ein besonderer Tag, denn auf der kompletten Strecke gibt es nur ein einziges Mal Schatten: ein S\u00fcsswasser transportierender LKW, dessen farbiger Fahrer am Strassenrand parkt und seine Mittagspause einh\u00e4lt. Im Verlauf des Gespr\u00e4chs erfahre ich, dass Ernst-Ludwig, so sein b\u00fcrgerlicher Name, ehemaliger Polizist aus Swakopmund ist und sich sehr f\u00fcr mein Radabenteuer interessiert. Gleich sitzt er auf meinem Mountainbike und f\u00e4hrt eine Runde. Er findet es klasse und l\u00e4sst es sich nicht nehmen, stolz f\u00fcr das Foto zu posieren, das ich ihm gerne zuschicken werde.<\/p>\n<p>Da ich schon direkt nach Sonnenaufgang um 7 Uhr losgefahren bin, habe ich genug Zeitpuffer f\u00fcr die Ankunft in Swakopmund. Nach der H\u00e4lfte der Strecke erreiche ich den Abzweig zum Langen Heinrich Uranium Project. Bis hierher f\u00fchrt die neue Pipeline Wasser von der K\u00fcste in das neue Bergbaugebiet. Ab hier bin ich der Zivilisation ein gutes St\u00fcck n\u00e4her, den ich kann die beginnende Industrialisierung f\u00fchlen. Regelm\u00e4ssiger Autoverkehr, Zigarettenabf\u00e4lle und Wartungsarbeiten an der Strasse, ich sehe wieder Menschen. Es wird merklich k\u00fchler, denn der kalte Atlantik l\u00e4sst mit strengem Gegenwind herzlich gr\u00fcssen. Man f\u00fchlt das Ende der Tour und das Ziel sehr nahe, aber es zieht sich ungemein bis Swakopmund. Am Horizont glaube ich die T\u00fcrme und B\u00e4ume der Stadt wie eine Fata Morgana zu erkennen, sie entpuppen sich leider als die Power Station 30Km vor dem eigentlichen Ziel. Mit der Hitze und der L\u00e4nge des Tages lassen auch die Kr\u00e4fte nach. Ich bin froh, als ich gegen 16.30Uhr an der Mole in Swakopmund sitze und dort von Freunden in Empfang genommen werde. Das erste Windhoek Lager Bier, der Hesse sagt in solchem Moment: &#8220;Zischt wie Appelsaft&#8221;.<\/p>\n<p>Fazit: Nichts f\u00fcr Einsteiger, aber lohnenswert wegen der N\u00e4he und Intensit\u00e4t der Erfahrung mit der Natur und den Menschen, die darin leben. Sicherlich eine der sch\u00f6nsten, wenn auch anstrengendsten Namibia Reisen, die ich je unternommen habe.<\/p>\n<p>Nachfragen bei: Andreas Maiberger<\/p>\n<p>Beispielfoto: Claudia Heinrich<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Namibia einmal anders &#8211; mit dem Rad und alleine Reisebericht \u00fcber eine Fahrradreise von Windhoek nach Swakopmund im August 2006 von Andreas Maiberger &#8220;Was machst Du f\u00fcr Sachen?&#8221; und &#8220;Du musst wohl v\u00f6llig verr\u00fcckt sein&#8221; trifft im Kern die Stimmungsbilder meiner Freunde und Familie als&hellip; <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/fahrradtour_windhoek_swakopmund\/\" data-wpel-link=\"internal\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":31204,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,7132,8,7141],"tags":[],"class_list":["post-1077","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-afrika","category-aktiv","category-namibia","category-reiseberichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1077","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1077"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1077\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31208,"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1077\/revisions\/31208"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31204"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1077"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1077"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.afrika.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1077"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}